Pressemeldungen Mai 2026
Wenn die Hitze die Produktivität schluckt: Raumtemperatur und Leistung im Büro
Ferlach kam auf 46 Hitzetage, Klagenfurt auf sieben Tropennächte. Was das für Menschen bedeutet, die tagsüber in Büros arbeiten, ist eine Frage, die Unternehmen zunehmend beschäftigt. Dabei geht es längst nicht nur um Komfort. Temperatur beeinflusst direkt, wie konzentriert, wie präzise und wie fehlerarm Menschen arbeiten.
Viele nützliche Studien über den Zusammenhang von Raumklima und Arbeitsleistung belegen das. So fanden Versuchspersonen bei einer Raumtemperatur von 25° C ihre größte Leistung von 100% bei 10% Fehlern. Bei 20° C sank die Leistung auf 54% und die Fehler stiegen auf 25%. Das bedeutet konkret: die Erhöhung der Raumtemperatur von 20° C auf 25° C senkte die Fehlerquote um 44% und steigerte die Tippgeschwindigkeit um 150%. Eine Klimaanlage fürs Büro ist also kein Luxus, sondern ein steuerbarer Faktor, der es dem Arbeitgeber ermöglicht, klimatisch gleichbleibende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Gerade in unseren Kärntner Büros, wo die Außentemperaturen im Hochsommer regelmäßig über 30 Grad steigen, macht sich der Unterschied zwischen unklimatisiertem und klimatisiertem Raum im Arbeitsalltag enorm bemerkbar.
Etwas differenzierter wird es, wenn geschlechtsspezifische Unterschiede einbezogen werden. In einem kontrollierten Experiment mit über 500 Studenten, bei dem die Raumtemperatur zwischen 16 und 32,5 Grad Celsius variiert wurde, schnitten Frauen bei wärmeren Temperaturen bei Rechen- und Sprachaufgaben besser ab, Männer hingegen erzielten bei kühleren Temperaturen ihre besten Resultate, wobei die Effekte bei Männern weniger stark ausgeprägt waren. Eine allgemeine Richttemperatur für Arbeitsräume lässt sich daraus nicht ableiten. Sehr wohl aber Temperaturbereiche, die für kognitive Arbeit ungünstig sind, und die für jeden, der mit Menschen arbeitet, von Bedeutung sind.
Für Büroarbeitsplätze gelten in Österreich gesetzlich definierte Temperaturrichtwerte, die viele Arbeitgeber nicht im Detail kennen. Die Arbeitsstättenverordnung empfiehlt eine Raumtemperatur zwischen 19 und 25 Grad Celsius. Als oberer Grenzwert gilt 26 Grad Celsius, der auch im Hochsommer nicht dauerhaft überschritten werden soll.
Forschungsergebnisse belegen, dass bei Temperaturen von mehr als 26°C die physiologischen Parameter wie Hauttemperatur, Hautfeuchte und Herzfrequenz messbar ansteigen. Gleichzeitig lassen die subjektive Klimeinschätzung und die Erholungsqualität erheblich zu wünschen übrig. Für Arbeitgeber, die diese Werte kontinuierlich überschreiten, ist damit nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit und der Krankenstand gefährdet, sondern es drohen auch rechtliche Folgen.
Raumklima lässt sich aktiv steuern, auch in Bestandsgebäuden ohne aufwendige Umbaumaßnahmen. Split-Klimageräte, Deckenkassetten und mobile Klimasysteme bieten je nach Raumgröße und Baustruktur unterschiedliche Möglichkeiten. Bei der Auswahl spielen Kennzahlen wie der SEER-Wert (Seasonal Energy Efficiency Ratio) eine zentrale Rolle. Er beschreibt die Kühleffizienz über eine gesamte Saison und gibt Aufschluss darüber, wie wirtschaftlich ein Gerät im Dauerbetrieb arbeitet. Geräte mit einem SEER-Wert ab 6,0 gelten nach der EU-Energielabelverordnung als besonders effizient. Ebenso relevant ist der Schalldruckpegel, der bei Bürogeräten idealerweise unter 35 Dezibel liegen sollte, um die Konzentration nicht zu beeinträchtigen.
Im Juni 2025 wurde an der Wetterstation Klagenfurt eine Rekordtemperatur von 37,9°C gemessen. Das sind keine abstrakten Klimaszenarien mehr, sondern gelebter Büroalltag. Wer in Mitarbeiterzufriedenheit und Leistungsfähigkeit investiert, kommt an der Frage des Raumklimas nicht vorbei. Gerade für KMU in Kärnten, die keine zentrale Klimatisierung besitzen, sind dezentrale Klimasysteme eine pragmatische Antwort auf eine Herausforderung, die von Sommer zu Sommer relevanter wird.
Foto: Symbolbild