Pressemeldungen September 2026
Wolfsgipfel in Klagenfurt: Alpenländer fordern gemeinsames Wolfsmanagement

Das Land Kärnten und die Landwirtschaftskammer Kärnten luden am 24. September zum ersten Alpenländischen Wolfsgipfel auf Schloss Mageregg in Klagenfurt.
Vertreter aus Landwirtschaft, Almwirtschaft und Jagd aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Slowenien sowie aus Südtirol, Trentino, Friaul-Julisch-Venetien und Veneto nahmen daran teil. Ziel des Treffens war es, die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten für ein wirksames Wolfsmanagement aufzuzeigen und eine bessere grenzüberschreitende Vorgangsweise abzustimmen.
Agrarreferent LHStv. Martin Gruber und LK-Präsident Siegfried Huber hatten zum Alpenländischen Wolfsgipfel nach Klagenfurt geladen. Gruber verwies dabei auf die Absenkung des Schutzstatus des Wolfs in der Europäischen Union und fordert, die damit verbundenen rechtlichen Möglichkeiten auch praktisch zu nutzen.
„Ich bin überzeugt davon, dass der Weg, den wir in Kärnten eingeschlagen haben, richtig war und ist. Aber der Wolf kennt keine Staatsgrenzen, und deshalb kann auch die Antwort auf die Wolfsfrage langfristig keine rein kärntnerische, keine rein österreichische sein“, appelliert LHStv. Martin Gruber. „Mit der Absenkung des Schutzstatus hat die EU selbst anerkannt, dass sich die Situation verändert hat. Aber ein neuer Rechtsrahmen allein verändert noch nichts in der Praxis. Ein wirksames, überregionales Wolfsmanagement bedeutet mehr als Monitoring und Fotofallen. Deshalb braucht es jetzt eine ehrliche Debatte und konkrete gemeinsame Schritte mit unseren Nachbarn. Es kann nicht sein, dass sich der Schutzstatus ändert, in den Mitgliedsstaaten aber alles beim Alten bleibt“, so Gruber.
Land Kärnten und Landwirtschaftskammer Kärnten begründen die Initiative mit der Bedeutung der Alm- und Weidewirtschaft und der damit verbundenen Pflege der Kulturlandschaft. Kärnten nutzt mit dem Alm- und Weideschutzgesetz und der heuer verlängerten Risikowolf-Verordnung die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten für das Wolfsmanagement.
LK-Präsident Siegfried Huber begründet die Initiative für den Wolfsgipfel mit den Auswirkungen einer weiteren Ausbreitung des Wolfs auf die bäuerliche Bewirtschaftung im Alpenraum. Dabei verweist er auch auf die unterschiedlichen Regelungen und Vorgangsweisen in den einzelnen Ländern.
„Die unkontrollierte Ausbreitung von Wölfen ist zur zentralen Frage für die Aufrechterhaltung der bäuerlichen Bewirtschaftung im Alpenraum geworden“, begründet LK-Präsident Siegfried Huber die Intention zur Ausrichtung des alpenländischen Wolfsgipfels. „Obwohl es gelungen ist, den Schutzstatus von Wölfen europaweit einheitlich zu senken, ist das Wolfsmanagement in den einzelnen Ländern des Alpenraums unterschiedlich ausgeprägt. Zum Schutz der bäuerlichen Almwirtschaft ist eine grenzüberschreitend abgestimmte Vorgangsweise zum Wolfsmanagement jedoch unbedingt erforderlich. Darauf haben wir immer hingewiesen. Auch unsere südlichen Nachbarn Italien und Slowenien müssen den vorhandenen Rechtsrahmen voll ausschöpfen und ein wirksames Wolfsmanagement einführen. Nur so können wir die extrem starke Vermehrung und Ausbreitung des Wolfs tatsächlich und nachhaltig in den Griff bekommen“, verdeutlicht Huber.
Den Auftakt des Wolfsgipfels bestritt Prof. Dr. Roland Norer, Ordinarius für Öffentliches Recht und Recht des ländlichen Raums an der Universität Luzern. Er brachte Erkenntnisse aus seinem aktuellen Buch „Leben mit dem Wolf – Anleitung für ein Wolfsmanagement in Europa“ ein. Im Mittelpunkt standen die rechtlichen Möglichkeiten für ein koordiniertes und grenzüberschreitendes Wolfsmanagement.
„Ein effizientes und artengerechtes Wolfsmanagement gerade in der alpinen Kulturlandschaft ist keine Frage des Ob, sondern lediglich des Wie. Es gilt, die rechtlichen Spielräume zu nutzen und dabei – wie auch die Wölfe – Verwaltungsgrenzen zu überwinden“, zeigte Prof. Norer den Teilnehmern die Möglichkeiten auf.
16 Prozent der Landesfläche Kärntens sind bewirtschaftete Almen. Insgesamt gibt es 1.800 Almen. Während der Sommermonate ermöglichen sie 42.000 Rindern, 14.000 Schafen und Ziegen sowie 2.000 Pferden eine Weidefläche. Zugleich dienen die Almen als Basis für Freizeitnutzung und den zunehmenden Wandertourismus.
Josef Obweger, Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins, sieht deshalb in einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen einen wichtigen Schritt. „Diese jahrhundertealte Form der Bewirtschaftung lässt sich jedoch mit einer weiteren Ausbreitung von Wölfen nicht vereinbaren. Da Wölfe in Kärnten größtenteils aus unseren südlichen Nachbarländern zuwandern, ist die mit dem Wolfsgipfel initiierte verstärkte überregionale Zusammenarbeit aus almwirtschaftlicher Sicht ein wichtiger Schritt“, ergänzt Josef Obweger.
Zum Abschluss des Wolfsgipfels in Klagenfurt unterzeichneten die Teilnehmer einen gemeinsamen Aktionsplan für ein grenzüberschreitendes und koordiniertes Wolfsmanagement im Alpen-Adria-Raum. Darin wurden folgende fünf Ziele festgehalten:
Zum Abschluss bezeichnete LK-Präsident Siegfried Huber den Aktionsplan als Signal für die Bauern und verwies erneut auf die aus seiner Sicht notwendige Zusammenarbeit mit den südlichen Nachbarregionen.
„Der Aktionsplan ist ein starkes interessenpolitisches Zeichen für unsere Bäuerinnen und Bauern. Wir tun in Kärnten alles, was rechtlich möglich ist, um die Ausbreitung der Wölfe in der Kulturlandschaft zu verhindern. Aber wir können das nicht alleine schaffen. Wir brauchen grenzüberschreitende Entnahmestrategien – vor allem im Süden, von wo immer mehr Wölfe nach Kärnten nachrücken“, betonte Huber.
Foto: LK Kärnten/Pesentheiner