Pressemeldungen September 2026
Landwirtschaft: Wenn das Futter fehlt und Brüssels Bürokratie auf sich warten lässt
Die Landwirtschaftskammer Kärnten fordert Konsequenzen aus der Trockenheit des Jahres 2026. Besonders Grünland- und Viehbetriebe seien von erheblichen Ernteausfällen betroffen. Auf vielen Höfen würden bereits die notwendigen Futterreserven für die kommende Winterfutterperiode fehlen.
Gleichzeitig dürfen tausende Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in Kärnten aufgrund von Vorgaben im Rahmen der EU-Agrarpolitik nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden, weil diese Flächen Biodiversitätszwecken dienen sollen. Die LK Kärnten hatte bereits im Frühsommer 2026 gefordert, diese Flächen angesichts der Trockenheit umfassend für die Futternutzung freizugeben und gleichzeitig Auflagen innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik, GAP, zu lockern.
„In einer Dürre und Notlage muss die Sicherung der Futtergrundlage oberste Priorität haben. Es kann nicht sein, dass geeignete Flächen ungenutzt bleiben, während unsere bäuerlichen Familienbetriebe verzweifelt nach Futter für ihre Tiere suchen“, erklärt LK-Präsident Siegfried Huber.
Die Nutzung der betreffenden Flächen muss durch die EU-Kommission genehmigt werden. Die ermöglichten Freigaben und Lockerungen seien aus Sicht der Landwirtschaftskammer Kärnten jedoch zu spät, zu zögerlich und nicht in ausreichendem Umfang erfolgt.
Viele Betriebe seien nun gezwungen, sofern überhaupt verfügbar, teure Futtermittel zuzukaufen. Gleichzeitig habe der erzwungene Notverkauf von Tieren zusätzlichen Druck auf die Marktpreise ausgeübt. „Mit ihrer zögerlichen Vorgangsweise hat die EU-Kommission den wirtschaftlichen Schaden vergrößert. Bauern mussten zusehen, wie Futteraufwüchse auf sogenannten Biodiversitätsflächen zwar gemäht werden konnten, aber liegen gelassen werden mussten. Dieses Futter fehlt jetzt für den Winter“, kritisiert Huber.
Die LK Kärnten fordert deshalb einen klar geregelten Dürre-Notfallmechanismus innerhalb der GAP. Nationale Behörden sollen bei außergewöhnlichen Umständen wie einer großflächigen Trockenheit oder Dürre rasch Ausnahmen bei der Flächennutzung und bei Förderauflagen umsetzen können.
Nach den Vorstellungen der LK sollen solche Maßnahmen ohne vorherige Genehmigung durch die Europäische Kommission und ohne Prämienverlust für die betroffenen Betriebe möglich sein.
„Wir brauchen in Krisensituationen Vertrauen in die Mitgliedstaaten und Entscheidungskompetenz dort, wo die Probleme tatsächlich auftreten. Dass über die Nutzung von Flächen in einer wissenschaftlich belegbaren Notsituation ausschließlich Beamte in Brüssel entscheiden können, die 1000 Kilometer weit weg in klimatisierten Büros sitzen, muss ein Ende haben“, fordert Huber.
Als Beispiel verweist der LK-Präsident darauf, dass nationale Behörden auch in anderen Bereichen bereits eigenständig und rasch auf außergewöhnliche Situationen reagieren können.
Die Resolution wird laut LK von zahlreichen Kärntner landwirtschaftlichen Verbänden, Organisationen und Genossenschaften unterstützt. Gemeinsam treten sie im Namen von mehr als 18.000 bäuerlichen Familienbetrieben für eine grundlegende Verbesserung der Krisenmechanismen in der europäischen Agrarpolitik ein.
Auch Kärntens Agrarreferent und Landeshauptmannstellvertreter Martin Gruber unterstützt die Forderung und will das Thema bei der nächsten Landesagrarreferentenkonferenz einbringen.
„Die heurige Dürre hat unseren Bauern schmerzhaft gezeigt, was es bedeutet, in einer Notlage auf Entscheidungen aus Brüssel warten zu müssen. Wenn das Winterfutter fehlt, muss rasch gehandelt werden können. Deshalb brauchen wir einen Dürre-Notfallmechanismus in der GAP: Die Mitgliedstaaten müssen Biodiversitäts- und Bracheflächen im Ernstfall sofort zur Futtergewinnung freigeben können. Die Versorgung unserer Tiere hat Vorrang vor starren Auflagen“, erklärt Gruber.
Ende September will Siegfried Huber die Forderung persönlich in Brüssel vorbringen und bei Verantwortlichen der Europäischen Kommission für eine rasche Umsetzung werben.
„Wir wollen nicht noch einmal erleben, dass unsere Bauern mitten in einer existenziellen Dürrekrise auf Entscheidungen aus Brüssel warten müssen. Die Erfahrungen dieses Jahres müssen Konsequenzen haben. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, damit wir bei der nächsten Dürre handlungsfähig sind“, so Huber.
Die Landwirtschaftskammer verweist darauf, dass außergewöhnliche Trockenheitsperioden künftig keine Ausnahmeerscheinung bleiben dürften. Bereits im kommenden Jahr könnte laut Aussendung aufgrund des El-Niño-Wetterphänomens in Kärnten die nächste Trockenheit drohen.
„Wenn es dann nicht gelingt, zusätzliches Futter zu nutzen, droht eine Katastrophe. Das wäre für viele bäuerliche Familienbetriebe existenzgefährdend“, warnt Huber.
Seine abschließende Forderung: „Unsere Forderung ist klar: Wenn eine nationale Dürre festgestellt und die Futterversorgung der Tiere gefährdet ist, müssen die zuständigen Behörden rasch handeln können – unbürokratisch, ohne langwierige Genehmigungsverfahren und ohne finanzielle Nachteile für die Bauern“, unterstreicht Huber.
Foto: Paul Gruber