Pressemeldungen September 2026
Buchhandel verliert junge Leser: 30 Prozent Rückgang bei 10- bis 15-Jährigen
Die Lesekompetenz junger Menschen und ein verändertes Medienverhalten machen sich nach Angaben der Wirtschaftskammer zunehmend auch im Kärntner Buchhandel bemerkbar. Besonders deutlich sei die Entwicklung bei den 10- bis 15-Jährigen.
„Bei den 10- bis 15-Jährigen verzeichnen wir einen Rückgang von rund 30 Prozent. Das Plus von 7,9 Prozent bei den 15- bis 19-Jährigen kann diesen Einbruch nicht annähernd ausgleichen. Wir verlieren junge Leserinnen und Leser in einem Alter, in dem die Basis für das spätere Leseverhalten gelegt wird“, warnt Helmut Zechner, WK-Obmann der Fachgruppe Medien- und Buchwirtschaft.
Dass junge Menschen grundsätzlich für Bücher zu begeistern seien, zeigten laut Zechner Trends wie BookTok. „Die Begeisterung ist da. Entscheidend ist es jedoch, junge Menschen früh für das Lesen zu gewinnen.“
Leseförderung beginnt für Zechner vor allem im Elternhaus. Lesen Eltern selbst regelmäßig, könnten sie ihren Kindern früh vermitteln, dass Bücher zum Alltag gehören. „Wenn Kinder erleben, dass Lesen ganz selbstverständlich zum Alltag gehört, ist schon viel gewonnen.“
Auch der Schule komme eine wichtige Rolle zu. Zechner sieht allerdings kritisch, dass digitale Geräte immer früher im Unterricht eingesetzt werden. „Schweden hat bereits gegengesteuert und setzt wieder stärker auf gedruckte Bücher, Schreibschrift und weniger Bildschirmzeit. Diese Diskussion müssen wir auch in Österreich führen.“
Der Kärntner Buchhandel versucht unter anderem mit der Aktion „Lesekoffer“, Kinder bereits in Kindergärten und Volksschulen zu erreichen. Bücher werden dabei direkt in die Einrichtungen gebracht. „Wenn es gelingt, dort Neugier zu wecken, ist schon viel gewonnen.“ Auch Veranstaltungen wie die kommende BUCH9020 in Klagenfurt sieht Zechner als Möglichkeit, das Lesen stärker in den Mittelpunkt zu rücken: „Jede Aktivität, die dem Buch eine Bühne gibt und Menschen zum Lesen bringt, ist wertvoll.“
Auch die Verkaufszahlen zeigen Veränderungen auf dem Buchmarkt. Im ersten Halbjahr verzeichneten nahezu alle Warengruppen Rückgänge. Eine Ausnahme bildete das Sachbuch mit einem Plus von 3,2 Prozent, im stationären Handel waren es 2,5 Prozent. Bei der Belletristik betrug der Rückgang 0,7 Prozent, bei Kinderbüchern 3 Prozent. Deutlich stärker gingen die Zahlen bei Reisebüchern mit minus 11,3 Prozent und bei naturwissenschaftlichen Themen mit minus 18,3 Prozent zurück.
Zechner führt diese Entwicklung unter anderem auf Informationen zurück, die heute schnell über das Internet oder Künstliche Intelligenz verfügbar sind. „Wer heute ein Hochbeet bauen will, sucht die Anleitung im Netz oder fragt die KI. Dafür wird kaum noch ein Buch gekauft“, sagt Zechner.
Im August 2026 sank der Buchabsatz gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent, im stationären Buchhandel betrug der Rückgang 5,5 Prozent. Trotz gestiegener Durchschnittspreise gingen auch die Umsätze zurück.
Zechner kritisiert in diesem Zusammenhang die langfristige Preisentwicklung bei Büchern. Seit 1989 seien die Buchpreise im Verhältnis zur allgemeinen Teuerung nur geringfügig gestiegen. Hätten sie mit der Inflation Schritt gehalten, würde ein gebundener Roman nach seiner Berechnung heute rund 50 Euro kosten. „Das Buch muss in unserer Gesellschaft wieder stärker als Kultur- und Bildungsgut und als hochwertiges Produkt wahrgenommen werden“, betont Zechner.
Auch die Zahl der Buchhandlungen ist zurückgegangen. Seit 2021 haben laut Wirtschaftskammer österreichweit 300 Buchhandlungen geschlossen. In Klagenfurt und Villach waren es in den vergangenen Jahren insgesamt zwölf Buchhandlungen. „Mit jeder Buchhandlung, die schließt, geht auch ein Ort verloren, an dem Menschen mit Büchern und dem Lesen in Berührung kommen.“
Zechner fordert deshalb weiterhin, die Mehrwertsteuer auf Bücher von derzeit zehn auf fünf Prozent zu senken.
Einen Hoffnungsschimmer sieht der Branchensprecher bei Kinderbüchern und Belletristik, die vergleichsweise geringe Rückgänge verzeichnen. „Die Begeisterung für Geschichten ist da. Entscheidend ist, Kinder früh für Bücher und das Lesen zu gewinnen. Denn wer gut und sinnerfassend lesen kann, hat eine wesentliche Grundlage für seinen weiteren Bildungsweg und seine Zukunft.“
Foto: WKK/Peter Just