Pressemeldungen Mai 2026
Jahrhundert-Trockenheit setzt Kärntens Landwirtschaft massiv unter Druck
Die Landwirtschaftskammer Kärnten schlägt angesichts der aktuellen Wetterlage Alarm. Laut LK-Präsident Siegfried Huber bedroht die anhaltende Trockenheit große Teile der Kärntner Landwirtschaft.
„Der prognostizierte Regen in dieser Woche kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Der Schaden ist bereits angerichtet“, erklärt Huber. Laut GeoSphere Austria habe es im April in Kärnten um 67 Prozent weniger Niederschlag gegeben als in einem durchschnittlichen April. Regional seien sogar bis zu 85 Prozent weniger Regen gefallen. Das Niederschlagsdefizit in Kärnten liege aktuell bei rund 45 Prozent.
Besonders betroffen sind laut Landwirtschaftskammer Grünland- und Ackerflächen. Wintergetreide, Sommergerste, Hafer und Sommerweizen leiden unter Wassermangel. Pflanzen bleiben im Wachstum zurück und verfärben sich.
LK-Pflanzenbaudirektor Erich Roscher warnt: „Durch das trockene Frühjahr wird in Kärnten die Getreideernte heuer deutlich geringer ausfallen. Wir rechnen bereits jetzt mit einem Minus von 20 bis 70 Prozent zum Vorjahr.“ Auch die Grünlandwirtschaft steht unter Druck. Laut LK seien rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Kärnten Wiesen, Weiden und Almen. Die erste Mahd liege vielerorts deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
„Die erste Mahd ist die Grundlage für den Winterfuttervorrat. Wir rechnen mit einem Minus von bis zu 60 Prozent in weiten Teilen Kärntens“, erklärt Grünland-Experte Hans Egger.
Angesichts der drohenden Futterknappheit fordert die Landwirtschaftskammer eine rasche Freigabe von Biodiversitätsflächen zur Weide- und Futternutzung. „Wir steuern auf eine massive Futterknappheit zu. Fehlt das Futter, müssen Tiere verkauft werden. Dann geht es um die Existenz der Betriebe“, warnt Huber. Rund 9.000 Hektar dieser Flächen seien derzeit nur eingeschränkt nutzbar. Die Landwirtschaftskammer fordert daher entsprechende Ausnahmeregelungen.
Zusätzlich wurde von der LK Kärnten eine kostenlose Online-Futtermittelplattform aktiviert. Betriebe mit vorhandenen Futterreserven werden aufgerufen, diese anderen Betrieben zur Verfügung zu stellen.
Neben dem Futtermangel verschärft sich laut Landwirtschaftskammer auch die Situation bei der Wasserversorgung vieler Höfe. Quellen versiegen, Brunnen führen weniger Wasser. Immer mehr Betriebe würden bereits von Feuerwehren mit Wasser versorgt werden. Eine Milchkuh benötige rund 150 Liter Wasser pro Tag.
„Ein besonderer Dank gilt den Feuerwehren, die vielerorts mit Wassertransporten aushelfen und damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Aufrechterhaltung der landwirtschaftlichen Produktion leisten“, betont Huber.
Die Landwirtschaftskammer sieht zudem Handlungsbedarf bei der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen. „Ohne Bewässerung wird in Zukunft in Teilen Kärntens keine Landwirtschaft mehr möglich sein“, so Huber. Deshalb brauche es langfristig eine strategische Absicherung der Wasserversorgung in der Landwirtschaft.
Foto: LK Kärnten, Video: Mein Klagenfurt