Pressemeldungen Juni 2026
Weltfahrradtag: Kärntens Schulen fallen beim Radfahren großteils durch
Anlässlich des Weltfahrradtags am 3. Juni ziehen Radlobby Kärnten und Klimabündnis Kärnten eine ernüchternde Bilanz: Viele Schüler würden gerne mit dem Fahrrad zur Schule fahren, doch fehlende Radwege, unsichere Schulwege und schlechte Abstellmöglichkeiten bremsen sie aus. Besonders in Klagenfurt zeigt sich, dass trotz vorhandener Infrastruktur noch viel zu tun bleibt.
Wie fahrradfreundlich sind Kärntens Schulen wirklich? Dieser Frage gingen Radlobby Kärnten und Klimabündnis Kärnten im Rahmen eines erstmals flächendeckend durchgeführten Rad Schulchecks nach. Untersucht wurden 101 Schulstandorte ab der 5. Schulstufe in ganz Kärnten. Bewertet wurden dabei die Sicherheit der Schulwege sowie die Qualität der Fahrrad Abstellanlagen. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Viele Schulen schneiden schlecht ab.
Gerade in Klagenfurt, wo grundsätzlich Radwege vorhanden sind, zeigen sich laut den Initiatoren dennoch große Probleme. Dichter Verkehr, parkende Autos und gefährliche Kreuzungen sorgen häufig für unsichere Situationen auf dem Weg zur Schule. Im ländlichen Raum fehlen sichere Radverbindungen vielerorts fast vollständig.
„Kinder und Jugendliche wollen selbstständig, sicher und klimafreundlich zur Schule kommen können. Die Ergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass Kärnten davon noch weit entfernt ist“, erklären Petra Obernosterer vom Klimabündnis Kärnten und Christoph Zettinig von der Radlobby Kärnten.
Zusätzlich wurden an zehn Schulen Schüler zum Mobilitätsverhalten befragt. Das Ergebnis: Viele würden lieber mit dem Fahrrad oder E-Scooter zur Schule fahren, statt mit dem Auto gebracht zu werden. Häufig verhindern jedoch Sicherheitsbedenken der Eltern die selbstständige Fahrt. Hohe Verkehrsbelastung und unübersichtliche Situationen vor Schulen führen laut Klimabündnis dazu, dass viele Kinder weiterhin mit dem „Elterntaxi“ unterwegs sind – was das Verkehrsaufkommen zusätzlich erhöht.
Rund zwei Drittel aller untersuchten Schulen verfügen laut Radlobby über zu wenige Stellplätze. Viele vorhandene Anlagen seien veraltet und entsprächen nicht mehr den heutigen Standards. Noch immer würden häufig sogenannte „Felgenkiller Ständer“ verwendet, die Fahrräder beschädigen können und kein sicheres Abstellen ermöglichen. Moderne Anlehnbügel mit Diebstahlschutz seien weiterhin die Ausnahme. Zusätzlich fehle vielerorts ein Witterungsschutz.
Die Ergebnisse zeigen laut Radlobby und Klimabündnis auch ein sozialpolitisches Problem: Wer keinen sicheren Schulweg hat, bleibt oft vom Auto der Eltern abhängig. Besonders Jugendliche im ländlichen Raum seien davon betroffen. Sichere Radwege seien daher auch eine Frage der Chancengerechtigkeit.
Trotz der insgesamt ernüchternden Bilanz gibt es auch positive Beispiele: Spitzenreiter des Schulchecks wurde die Mittelschule Arnoldstein mit 22,5 von 30 möglichen Punkten, vor allem aufgrund des konsequenten Radwege Ausbaus in der Gemeinde. Der Schulcheck soll laut Initiatoren nicht als Pranger dienen, sondern Gemeinden, Schulen und Politik als Grundlage für Verbesserungen helfen.
Zum Weltfahrradtag am 3. Juni fordern Radlobby Kärnten und Klimabündnis konkrete Verbesserungen – darunter sichere und durchgängige Radverbindungen zu Schulen, moderne Fahrrad Abstellanlagen, Verkehrsberuhigung im Schulumfeld und eine stärkere Berücksichtigung der Alltagsmobilität von Kindern und Jugendlichen in der Verkehrsplanung.
Foto: Radlobby Kärnten