Pressemeldungen Juni 2026
Hitze kann für Senioren gefährlich werden: Oberärztin Dr. Patricia Walentiny gibt Tipps
Die aktuelle Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 35 Grad stellt besonders ältere Menschen vor große gesundheitliche Herausforderungen. Während junge und gesunde Menschen hohe Temperaturen meist noch gut verkraften, steigt für Senioren das Risiko für Flüssigkeitsmangel, Kreislaufprobleme, Stürze und im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohliche Komplikationen deutlich an.
Darauf macht Oberärztin Dr. Patricia Walentiny, Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie sowie Leiterin des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt, aufmerksam.
Nach Angaben der Medizinerin ist Flüssigkeitsmangel das häufigste Problem älterer Menschen an heißen Tagen. Schon ein geringer Wasserverlust kann zu trockenen Schleimhäuten und Mundtrockenheit führen. Fehlen ein bis zwei Prozent der Körperflüssigkeit, treten häufig Schwäche, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit und eine erhöhte Sturzgefahr auf.
Bei einem Flüssigkeitsverlust von rund 20 Prozent der Körpermasse wird die Situation lebensbedrohlich. Mögliche Folgen sind Blutdruckabfall, Herzrasen, Krampfanfälle, Thrombosen sowie Kreislauf- und Nierenversagen.
„Das Durstgefühl setzt oft erst dann ein, wenn bereits eine Dehydrierung vorliegt“, erklärt Dr. Patricia Walentiny. Mit zunehmendem Alter verändern sich die Sinneswahrnehmung und die Regulation des Flüssigkeitshaushalts. Das Gehirn erhält häufig zu spät das Signal, dass der Körper Wasser benötigt.
Ihr Rat: „Stellen Sie sich die Trinkration für den gesamten Tag bereits morgens sichtbar und griffbereit bereit. Variieren Sie Ihre Getränke und planen Sie bewusst Trinkzeiten ein.“
Als Richtwert nennt die Ärztin etwa 30 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch benötigt damit rund 2,1 Liter Flüssigkeit. Davon werden etwa 700 Milliliter über die Nahrung und rund 300 Milliliter durch Stoffwechselprozesse aufgenommen. Etwa 1,1 Liter sollten daher täglich getrunken werden.
An heißen Tagen steigt der Bedarf deutlich an. Ein bis zwei Liter zusätzlich können sinnvoll sein. Menschen mit Herzschwäche sollten die Trinkmenge jedoch unbedingt mit ihrem Hausarzt oder Internisten abstimmen.
Empfohlen werden Trink- und Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte sowie Kräuter- und Früchtetees. Auch Kaffee und Tee tragen zur Flüssigkeitsversorgung bei. Zusätzlich helfen wasserreiche Lebensmittel wie Melonen, Gurken, Paradeiser, Kompott, Suppen oder Milchprodukte dabei, den Flüssigkeitshaushalt zu unterstützen.
Hohe Temperaturen wirken sich auch auf das Herz-Kreislauf-System aus. Das Blut wird zähflüssiger, wodurch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Gleichzeitig kann eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme zu einem Blutdruckabfall führen. Besonders nachts erhöht das die Gefahr schwerer Stürze auf dem Weg zur Toilette.
Auch bestimmte Medikamente, vor allem harntreibende Präparate, können den Flüssigkeitsverlust zusätzlich verstärken. Deshalb empfiehlt Dr. Walentiny, gerade während Hitzeperioden die Trinkmenge und die Medikation mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.
Durch den Verlust von Flüssigkeit und Salzen kann der Körper Wärme nicht mehr ausreichend über das Schwitzen abgeben. Es drohen Hitzestau oder Hitzschlag mit starken Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Kreislaufkollaps.
Besonders pflegebedürftige und bettlägerige Menschen benötigen deshalb regelmäßige Unterstützung beim Trinken. Spezielle Trinkgefäße, Trinkhalme und das wiederholte Anbieten von Getränken können dabei helfen.
Für Dr. Patricia Walentiny ist die wichtigste Botschaft in diesen heißen Tagen klar: Nicht warten, bis der Durst kommt. Denn gerade im Alter meldet sich das Durstgefühl oft erst dann, wenn dem Körper bereits gefährlich viel Flüssigkeit fehlt.
Foto: Studio Horst