Pressemeldungen Juni 2026
AK-Jugendstudie: Kärntens Jugend sorgt sich um Geld, Wohnen und Zukunft
Die Arbeiterkammer Kärnten hat unter dem Motto „Sag uns, was geht“ eine große Jugendstudie vorgestellt. Das Foresight Institut befragte dafür im Auftrag der AK Kärnten von Mitte Jänner bis Ende Februar 2026 rund 1.900 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren.
Das Ergebnis zeigt ein klares Bild: Die Jugendlichen leben zwar gerne in Kärnten, viele blicken aber mit finanziellen und strukturellen Sorgen in die Zukunft. Neun von zehn Befragten geben an, gerne in Kärnten zu leben. Gleichzeitig sind 35 Prozent mit ihrer aktuellen finanziellen Situation unzufrieden. Bei fast jedem fünften jungen Menschen reicht das Einkommen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.
„Die Jugend lebt zwar gerne in Kärnten, blickt aber mit großen finanziellen Zukunftssorgen nach vorne. Wenn die Rahmenbedingungen bei Wohnen, Mobilität und Ausbildung nicht angepasst werden, droht dem Land die Abwanderung weiterer junger Talente“, warnt AK-Präsident Günther Goach.
Besonders stark spüren junge Menschen die hohen Lebenshaltungskosten. 48 Prozent fühlten sich in den vergangenen zwölf Monaten durch Lebensmittelkosten ziemlich bis stark belastet. Danach folgen die Kosten für Heizen und Strom mit 46 Prozent sowie die Wohnkosten mit 40 Prozent.
Die größten Sorgen der Jugendlichen sind laut Studie die allgemeinen Lebenshaltungskosten mit 34 Prozent und individuelle Zukunftssorgen mit 29 Prozent. Prüfungs- und Leistungsdruck liegt mit 19 Prozent dahinter.
Studienleiterin Martina Zandonella vom Foresight Institut bringt die Lage auf den Punkt: „Ganze 35 Prozent sind mit ihrer aktuellen finanziellen Situation unzufrieden; bei fast jeder und jedem Fünften reicht das Einkommen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Zufriedenheit muss man sich leisten können.“
Globale Themen spielen im Alltag vieler Befragter eine deutlich geringere Rolle. Der Klimawandel wird von vier Prozent als besonders belastend genannt, Zuwanderung von einem Prozent.
Die Erklärung der Studienleitung fällt deutlich aus: „Wenn man kaum genug Geld zum Leben hat, werden andere, globale Themen zwangsläufig zweitrangig.“
Die finanzielle Belastung wirkt sich auch auf die Gesundheit aus. 30 Prozent der Jugendlichen berichten, dass es ihnen psychisch derzeit nicht gut geht. Die Studie zeigt damit einen klaren Zusammenhang zwischen finanzieller Sicherheit, sozialer Sicherheit und psychischer Gesundheit.
Die Verbundenheit mit Kärnten ist groß. Jede vierte befragte Person möchte unbedingt in der Heimatgemeinde bleiben. Gleichzeitig plant jede zehnte Person den Wegzug. Besonders betroffen sind Studierende und junge Frauen. Die Mehrheit der Wegzugswilligen will Kärnten sogar ganz verlassen.
Als Gründe nennt die Studie bessere Zukunftsaussichten bei Ausbildung und Arbeit sowie eine modernere Infrastruktur. Auch das Pendeln belastet viele junge Menschen: Zwei Drittel müssen für Ausbildung oder Arbeit in eine andere Gemeinde fahren.
Unzufriedenheit gibt es zudem beim regionalen Freizeitangebot, bei Weiterbildungsmöglichkeiten und beim Mangel an leistbarem Wohnraum.
Die Studie zeigt auch, dass viele junge Menschen aktiv an ihrer beruflichen Zukunft arbeiten wollen. 70 Prozent der jungen Erwerbstätigen möchten sich beruflich weiterbilden.
Daniel Weidlitsch, Abteilungsleiter Bildungspolitik, Jugend und Kultur der AK Kärnten, sieht darin einen klaren Auftrag: „Die AK Kärnten unterstützt diesen Wissensdurst. Mit der AK-Akademie, maßgeschneiderten Bildungsberatungen sowie der Jugendmarke AK Young bieten wir den Menschen genau die Werkzeuge, die sie für die Arbeitswelt in Kärnten brauchen.“
Die AK-Jugendstudie widerspricht auch dem Bild einer politikverdrossenen Generation. Viele junge Menschen wollen Gesellschaft aktiv mitgestalten. Sie engagieren sich in Sportvereinen, Kulturvereinen, religiösen Vereinen, Schulen, Blaulichtorganisationen, Gewerkschaften, Betriebsräten oder als Jugendvertrauensräte.
„Das Engagement in Gewerkschaften, Betriebsräten und als Jugendvertrauensrat liegt mit zehn Prozent der Befragten hoch. Unsere Jugendlichen beweisen tagtäglich in Betrieben und Organisationen Verantwortung. Sie verdienen es, dass man ihr auf Augenhöhe begegnet und echte Mitbestimmungsräume schafft“, sagt AK-Präsident Günther Goach.
Aus den Ergebnissen der Studie leitet die Arbeiterkammer Kärnten mehrere konkrete Forderungen ab. So soll der öffentliche Wohnbau deutlich ausgebaut werden, um langfristig mehr leistbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen. Zusätzlich spricht sich die AK für Starterwohnungen aus, die Jugendlichen einen leistbaren und unkomplizierten Einstieg in ein eigenständiges Leben ermöglichen.
Auch beim Thema Mobilität sieht die Arbeiterkammer Handlungsbedarf. Der öffentliche Verkehr soll weiter ausgebaut werden, damit junge Menschen in Kärnten verlässlich und leistbar zu Ausbildungsstätten und Arbeitsplätzen gelangen können.
Darüber hinaus fordert die AK den Erhalt und Ausbau regionaler Bildungsangebote, damit Aus- und Weiterbildung wohnortnah möglich bleiben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der mentalen Gesundheit junger Menschen. Hier fordert die Arbeiterkammer zusätzliche Investitionen in psychosoziale Unterstützungsangebote.
Außerdem spricht sich die AK für den Ausbau von Mitsprachemöglichkeiten sowie für den Abbau rechtlicher Hürden bei Jugendvertrauensratswahlen aus, damit junge Menschen ihre Interessen stärker einbringen können.
„Wir haben euch gehört. Die Studien-Ergebnisse sind für uns kein theoretisches Papier, sondern ein konkreter Arbeitsauftrag an die Politik und an uns selbst, Kärnten für die nächste Generation zukunftsfit und leistbar zu machen“, betont Goach.
Foto: AK Kärnten/Johannes Puch