Pressemeldungen August 2026
Zwei Drittel der Kärntner steigen vom Auto auf die Bahn um: Das sind die Gründe
Immer mehr Bahnfahrgäste in Kärnten ersetzen frühere Autofahrten durch Zugfahrten. Das zeigt der aktuelle VCÖ-Bahntest 2026, an dem 351 Fahrgäste aus Kärnten teilgenommen haben.
Demnach gaben 67 Prozent an, heute Strecken mit der Bahn zurückzulegen, die sie früher mit dem Auto gefahren sind. 27 Prozent haben viele solcher Fahrten auf die Bahn verlagert, weitere 40 Prozent zumindest manche. Bei den Kärntner Fahrgästen ist dieser Anteil laut VCÖ im Bundesländervergleich am höchsten. Als Grund dafür nennt die Mobilitätsorganisation die Verbesserungen durch die Koralmbahn.
Als wichtigsten Grund für den Wechsel vom Auto auf die Bahn nannten 68 Prozent das Klimaticket. Für 60 Prozent war die nutzbare Zeit während der Bahnfahrt ein sehr wichtiger Faktor. Verbesserungen beim Bahnangebot nannten 51 Prozent, die Kosten des Autofahrens 47 Prozent und einen Wechsel des Arbeits- oder Ausbildungsortes 36 Prozent. Weitere Gründe waren eine bessere Anbindung des Bahnhofs mit 33 Prozent, veränderte Lebensumstände mit 31 Prozent, die Parkraumbewirtschaftung am Zielort mit ebenfalls 31 Prozent und eine schlechtere Verfügbarkeit des Autos mit 19 Prozent.
VCÖ-Experte Michael Schwendinger erklärt: „Kosten und Zeit sind zentrale Einflussfaktoren für die Verkehrsmittelwahl. Wer häufig mit Bahn oder Bus mobil ist, spart sich mit dem Klimaticket viel Geld. Und die Zeit beim Bahnfahren kann zum Ausruhen, Lesen, Arbeiten und zum Spielen mit den Kindern genutzt werden.“
Potenzial für einen weiteren Umstieg gibt es laut Befragung ebenfalls. 22 Prozent der Kärntner Fahrgäste könnten viele weitere Autofahrten mit der Bahn zurücklegen, weitere 50 Prozent zumindest manche. 28 Prozent sehen keine weiteren Fahrten, die sie vom Auto auf die Bahn verlagern könnten.
Entscheidend dafür wären vor allem Verbesserungen bei Reisezeit und Angebot. Von jenen Fahrgästen, die viele Autofahrten ersetzen könnten, würden 61 Prozent bei einer kürzeren Gesamtreisezeit häufiger die Bahn nehmen. 58 Prozent nennen häufigere Verbindungen und ebenfalls 58 Prozent mehr Park-&-Ride-Plätze bei Bahnhöfen. Für 55 Prozent wäre ein besseres Angebot außerhalb der Hauptverkehrszeiten, am Tagesrand sowie an Sonn- und Feiertagen wichtig.
Höhere Kosten für Autofahrten wären für 50 Prozent ein Grund zum Umstieg. Eine bessere öffentliche Anbindung des Bahnhofs nennen 45 Prozent, den Wegfall kostenloser Parkmöglichkeiten am Zielort 44 Prozent und ein Öffi-Jobticket für Arbeitswege 38 Prozent. Jeweils 30 Prozent nennen eine einfachere Gepäckmitnahme beziehungsweise eine bessere Erreichbarkeit des Bahnhofs mit dem Fahrrad.
In die umgekehrte Richtung ist die Entwicklung deutlich geringer. Zwei Prozent der Befragten fahren heute viele Strecken mit dem Auto, die sie früher mit der Bahn zurückgelegt haben. Weitere 15 Prozent betrifft dies bei manchen Strecken. 83 Prozent sind nicht von der Bahn auf das Auto umgestiegen. Laut VCÖ ist der Anteil von insgesamt 17 Prozent im Bundesländervergleich der niedrigste.
Als wichtigsten Grund für einen Wechsel von der Bahn zum Auto nannten 47 Prozent ein schlechteres Bahnangebot. Es folgen eine schlechtere Anbindung des Bahnhofs mit 39 Prozent, eine längere Gesamtreisezeit mit 36 Prozent sowie Unzuverlässigkeit oder Unpünktlichkeit mit 31 Prozent. Veränderte Lebensumstände und ein Wechsel des Arbeits- oder Ausbildungsortes wurden ebenfalls von jeweils 31 Prozent genannt. Für 29 Prozent spielte eine bessere Verfügbarkeit des Autos eine Rolle.
Michael Schwendinger sagt dazu: „Die Raumordnungspolitik der Gemeinden und Städte hat großen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Zersiedelung und Betriebsansiedlungen auf der grünen Wiese außerhalb der Zentren verursachen mehr Autoverkehr. Die Stärkung der Ortskerne sowie Siedlungen und Betriebe in der Nähe des Öffentlichen Verkehrs ermöglichen der Bevölkerung vor Ort sowie den Pendlerinnen und Pendlern, häufiger mit Bahn und Bus zu fahren.“
Foto: Mein Klagenfurt