Von 14. bis 26. Juli 2026 richtet Casino Austria die 35. Poker-Europameisterschaft im Veldener Casino aus. Die Spielbank am Wörthersee gehört zu den zwölf Casinos der Gruppe und ist seit 1950 in Betrieb. Doch das Wachstum im Glücksspiel ist längst nicht nur in den Casinos am See zu spüren, sondern vor allem im Internet, wo man die Regeln gerade neu schreibt.
Erwin van Lambaart, Generaldirektor von Casinos Austria, schätzte im März 2026, es gebe rund 2.000 international lizenzierte Anbieter, die in einem anderen Land eine Lizenz haben, aber keiner österreichischen Aufsicht unterstehen. Viele davon seien mit einer Lizenz aus Malta oder Curaçao ausgestattet und in Österreich würden sie zwar toleriert, aber es gebe keine heimische Stelle, die ihr Geschäft überprüft.
Für Spieler ist dieser Markt schwer zu überblicken. Eine zentrale Behörde, die Online-Anbieter kontrolliert, gibt es bisher nicht. Bei Streit über eine Auszahlung fehlt im Online-Bereich eine österreichische Stelle, an die sich ein Spieler wenden könnte. Wer einschätzen will, wer unter Aufsicht steht und wer nicht, ist auf eigene Recherche angewiesen. Viele orientieren sich dabei an seriösen Online Casinos auf casino.at oder ähnlich transparenten Vergleichsportalen, die Lizenz, Aufsicht und Auszahlungsregeln offenlegen. Eine veröffentlichte Lizenznummer, geprüfte Zufallsgeneratoren und feste Auszahlungsfristen lassen sich nachprüfen, Werbeversprechen nicht.
Seit November 2025 liegt ein Entwurf für ein neues Glücksspielgesetz in Begutachtung. Er sieht drei Bausteine vor: eine unabhängige Glücksspielbehörde, ein bundesweites Sperrregister und Verlustlimits, die nach Alter gestaffelt sind. Das geltende Gesetz stammt aus dem Jahr 1989 und wurde seither nur in Teilen angepasst.
Das Sperrregister soll eine Selbstsperre ermöglichen, die für alle Anbieter gilt und nicht nur für ein einzelnes Casino. Bisher liegt die laufende Aufsicht über das konzessionierte Glücksspiel beim Finanzamt Österreich, das die Aufgabe Anfang 2021 vom Finanzministerium übernahm. Der Verfassungsgerichtshof hatte 2022 bemängelt, dass der Spielerschutz im bestehenden System zu spät einsetze, nämlich erst, wenn das Existenzminimum eines Spielers gefährdet sei. Ein erster Anlauf der vorigen Regierung war an dieser Frage gescheitert.
Der Druck hat ein Datum. Die Konzessionen für Lotterien und Online-Glücksspiel laufen am 30. September 2027 aus, auch mehrere Spielbank-Lizenzen enden in diesem Jahr. Derzeit ist das Online-Glücksspiel nur einem konzessionierten Anbieter vorbehalten. Ein Lizenzsystem nach EU-Vorbild würde mehreren Anbietern den legalen Zugang öffnen, was Teile der Branche seit Jahren fordern. SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer will dagegen am Monopol festhalten und gegen nicht lizenzierte Anbieter härter vorgehen. Ob das Gesetz noch 2026 in Kraft tritt, ist offen und hängt vom parlamentarischen Ablauf ab. Für Spieler in Kärnten würde das Register bundesweit gelten, unabhängig davon, wo der Anbieter sitzt.
Zur Poker-Europameisterschaft 2025 kamen rund 1.400 Spieler aus knapp 40 Nationen an den Wörthersee. Für die Region ist die Spielbank ein wirtschaftlicher Faktor, das Turnier füllt im Juli die Hotels rund um den See. Die Casinos Austria veranstalten die Europameisterschaft seit 1995, seit 2015 in Velden.
Was im Internet erst geregelt wird, gehört hier seit Langem zum Betrieb. Wer das Casino betreten will, weist sich aus und belegt die Volljährigkeit. Casinos Austria führt nach Paragraf 25 des Glücksspielgesetzes Beratungsgespräche, sobald das Spielverhalten auffällig wird, und bietet eine Selbstsperre über die Plattform playsponsible.at an. Das Unternehmen arbeitet außerdem mit Stellen zusammen, die Glücksspielsucht behandeln.
Dieselbe Logik soll das geplante Register ins Netz übertragen. Ob sie dort ähnlich greift, ist offen. An der Tür einer Spielbank steht eine Person, die eine Sperre durchsetzt. Im Internet ist diese Kontrolle technischer und leichter zu umgehen.
Wie für Glücksspiel geworben werden darf, regelt Paragraf 56 des Glücksspielgesetzes. Er verlangt einen „verantwortungsvollen Maßstab". Das Finanzministerium hat dazu eine Orientierung veröffentlicht, die sich auf eine spielsuchttherapeutische Untersuchung des Anton-Proksch-Instituts stützt. Konzessionierte Anbieter müssen sich daran halten, in der Tonalität ihrer Spots ebenso wie bei der Frage, wen sie ansprechen.
Für die ausländischen Anbieter ohne heimische Konzession greift diese Vorgabe nicht. Sie werben in sozialen Netzwerken, über Sportsponsoring und auf Affiliate-Seiten, ohne dass eine österreichische Stelle den Maßstab prüft. Genau hier setzt der Reformgedanke an. Eine eigene Behörde soll nicht nur Lizenzen vergeben, sondern auch die Bewerbung im Blick behalten.
Ob das gelingt, hängt von der Durchsetzung ab. Werbung im Netz lässt sich schwerer eingrenzen als ein Plakat oder ein Fernsehspot. Wer ein Angebot prüfen will, bleibt vorerst auf die Kriterien angewiesen, die er selbst nachvollziehen kann, etwa die Lizenz und die Aufsicht hinter einer Plattform.
Nicht jedes Wetten zählt rechtlich als Glücksspiel. Sportwetten gelten in Österreich als Geschicklichkeitsgeschäft und liegen außerhalb des Glücksspielmonopols. Geregelt werden sie nicht vom Bund, sondern von den Ländern, in Kärnten über ein eigenes Wettengesetz. Die geplante Reform des Glücksspielgesetzes betrifft sie deshalb nur am Rand. Wer online auf ein Fußballspiel setzt, bewegt sich also in einem anderen Rechtsrahmen als jemand, der an einem virtuellen Automaten spielt.
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