Wer heute nach Online Casinos Österreich sucht, stößt auf Dutzende Anbieter mit Lizenzen aus Malta oder anderen Mitgliedstaaten der EU, die nach österreichischem Recht keine Erlaubnis für den heimischen Markt haben. Die Regierungsvorlage zum Glücksspielreformgesetz 2026 soll das ändern und mehrere Anbieter mit eigener österreichischer Konzession zulassen.
Wer in Klagenfurt an Glücksspiel denkt, hat meist das Casino Velden vor Augen. Im Juli kamen dort rund 1.400 Spielerinnen und Spieler aus knapp 40 Nationen zur 35. Poker EM am Wörthersee, und Mitte September kündigte Casinos Austria für 2027 weitere Investitionen von über drei Millionen Euro in den Standort an. Weit weniger sichtbar, aber für viele Kärntnerinnen und Kärntner längst Alltag, ist das Spiel am Handy. Genau dort setzt eine Reform an, die derzeit im Parlament in Wien liegt und den Markt im Internet grundlegend neu ordnen soll.
Rechtlich ist das Glücksspiel in Österreich dem Bund vorbehalten, so steht es in Paragraf 3 des Glücksspielgesetzes. Für das Internet gibt es genau eine Konzession, und die gehört win2day. Sie läuft am 30. September 2027 aus. Laut den Österreichischen Lotterien zählt die Plattform rund 1,2 Millionen registrierte Nutzer. Ein großer Teil des Geldes, das Österreicherinnen und Österreicher online verspielen, landet trotzdem woanders. Das Marktforschungsinstitut Branchenradar schätzt, dass nur knapp die Hälfte der Bruttospielerträge im Netz beim legalen Anbieter bleibt.
Diese Lücke ist der Kern der Debatte. Ausländische Anbieter berufen sich seit Jahren auf ihre Lizenzen aus anderen Mitgliedstaaten der EU, während österreichische Gerichte Spielern immer wieder die Rückzahlung von Verlusten zugesprochen haben, die sie auf solchen Seiten erlitten hatten. Die Bundesregierung begründet die Reform deshalb vor allem damit, das wachsende illegale Angebot zurückzudrängen. Durch attraktive legale Alternativen soll der Schwarzmarkt kleiner werden, heißt es in den Erläuterungen zum Gesetz.
Kommt die Reform wie geplant, können Unternehmen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum eine Konzession beantragen, sofern sie strenge Bedingungen erfüllen. Eine Obergrenze für die Zahl der Onlinekonzessionen sieht der Entwurf nicht vor. Wer bisher ohne österreichische Lizenz tätig war, muss sein Angebot bis spätestens 31. Dezember 2026 einstellen, um überhaupt infrage zu kommen. Ab 1. Jänner 2027 sollen dann Konzessionen vergeben werden, gültig ab 1. Oktober 2027. Wer die Frist ignoriert, wäre 18 Monate lang von der Vergabe ausgeschlossen.
Für Bewerber gibt es außerdem eine Bedingung, die vor allem Spieler mit laufenden Klagen interessieren dürfte: Offene Abgabenschulden müssen beglichen sein, und rechtskräftige Urteile aus Spielerschutzklagen müssen erfüllt werden. Wer also einem Kläger noch Geld schuldet, bekommt keine Konzession.
Mehr Auswahl heißt allerdings nicht automatisch mehr Sicherheit. Gerade in der Übergangszeit dürfte es unübersichtlich werden, weil manche Anbieter ihr Angebot beenden, andere erst auf eine Konzession warten und unseriöse Seiten die Verunsicherung nutzen könnten.
Die wichtigsten Punkte der Novelle hat die Parlamentskorrespondenz in ihrer Übersicht zur Regierungsvorlage zusammengefasst. Für Spielerinnen und Spieler zählt vor allem der Spielerschutz: Geplant ist ein zentrales Sperrregister, das das Spiel vor Ort und das Onlineglücksspiel gemeinsam erfasst, dazu verpflichtende Einzahlungslimits, die über alle Anbieter hinweg greifen. Netzsperren und Zahlungssperren gegen Anbieter ohne Konzession sollen ab 1. Jänner 2027 in Kraft treten.
Praktisch bedeutet das: Ein lizenziertes Casinoangebot im Internet dürfte man künftig daran erkennen, dass es eine Konzession des Finanzministeriums ausweist und an das Sperrregister angebunden ist. Fehlt dieser Hinweis, ist Vorsicht angebracht, egal wie professionell die Seite aussieht. Wer merkt, dass das Spielen aus dem Ruder läuft, findet in Klagenfurt eine Anlaufstelle direkt vor der Haustür: Die Spielsuchtberatung der Stadt berät kostenlos und auf Wunsch anonym.
Beschlossen ist noch nichts. Der Entwurf wurde Anfang August in Brüssel notifiziert, und erst nach Ablauf der dreimonatigen Stillhaltefrist Anfang November kann der Nationalrat ihn endgültig verabschieden. Neben der Onlinekonzession schreibt das Finanzministerium auch die Spielbanken neu aus, künftig sollen bundesweit 13 Standorte möglich sein statt der heutigen zwölf.
Velden betrifft das erst später: Die Konzession für das Casino am Wörthersee läuft bis Ende 2030, und Casinos Austria betont, dass die aktuellen Investitionen bewusst vier Jahre vor diesem Datum fließen. Für alle, die in Klagenfurt am Handy spielen, ist dagegen ein anderes Datum entscheidend. Ab dem 1. Oktober 2027 soll erstmals mehr als ein Anbieter legal im Netz spielen lassen dürfen, und bis dahin lohnt es sich, bei jeder neuen Seite zuerst nach der österreichischen Konzession zu fragen.