Österreichs Lotto-Lizenz: Internationale Bewerber für die neue Konzession
Erstmals seit Jahrzehnten könnte sich entscheiden, ob die Österreichischen Lotterien ihre bisherige Stellung behalten oder ein internationaler Glücksspielkonzern den Zuschlag erhält. Hintergrund ist die geplante Reform des österreichischen Glücksspielgesetzes, deren Entwurf sich Anfang Juli 2026 im Begutachtungsverfahren befindet.
Die derzeitige Konzession endet mit Ablauf des 30. September 2027, die Ausschreibung wird nach aktuellem Stand für den Herbst 2026 erwartet. Schon bevor das Vergabeverfahren offiziell beginnt, haben mehrere internationale Unternehmen ihr Interesse erkennen lassen oder werden in Branchenkreisen als mögliche Bewerber gehandelt.
Auslöser der bevorstehenden Ausschreibung ist das Auslaufen der aktuellen Lotteriekonzession. Nach dem Entwurf des neuen Glücksspielgesetzes soll diese auch künftig als exklusive Konzession vergeben werden. Für klassische Lotterieprodukte wie Lotto 6 aus 45, EuroMillionen, Joker oder Toto bleibt damit ein einzelner Betreiber verantwortlich. Anders sieht es im Online-Bereich aus. Dort plant die Bundesregierung eine Öffnung des Marktes für mehrere Lizenznehmer, sofern diese die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Mit der Reform verfolgt die Regierung mehrere Ziele. Vorgesehen sind strengere Maßnahmen zum Spielerschutz, ein zentrales Sperrregister, neue Vorgaben zur Geldwäscheprävention sowie Instrumente gegen unerlaubte Glücksspielangebote. Hinzu kommen Anforderungen an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Zuverlässigkeit künftiger Konzessionsinhaber. Unternehmen, die sich um eine Lizenz bewerben möchten, sollen unter anderem offene Verpflichtungen gegenüber Spielern erfüllen und die neuen regulatorischen Vorgaben vollständig umsetzen.
Nach Abschluss der Begutachtung muss der Gesetzesentwurf das parlamentarische Verfahren durchlaufen. Erst danach können die Ausschreibungsunterlagen veröffentlicht werden. Nach heutigem Stand soll die neue Konzession im Oktober 2027 in Kraft treten.
Die geplante Neuvergabe reiht sich in ein europäisches Regulierungsmodell ein, das zwischen klassischen Lotterien und Online-Glücksspiel unterscheidet. Während zahlreiche Staaten ihre Online-Märkte schrittweise öffnen, bleiben nationale Lotterien überwiegend an exklusive Konzessionen oder staatlich kontrollierte Strukturen gebunden. Auslöser dieser Entwicklung ist unter anderem die fortschreitende Digitalisierung des Glücksspielmarktes, die viele Staaten zu einer Anpassung ihrer Regulierung veranlasst hat.
Im Bereich des Online-Glücksspiels zeichnet sich in Europa seit einigen Jahren ein anderer Trend ab. Länder wie Dänemark, Schweden, die Niederlande oder Italien setzen auf Mehrlizenzmodelle, bei denen private Anbieter unter staatlicher Aufsicht Online-Casinospiele und Sportwetten anbieten dürfen. Branchenexperten wie Casino Groups informieren über verschiedene Lizenzmodelle und Angebotsformen.
Auch Österreich plant mit der Reform des Glücksspielgesetzes eine Öffnung des Online-Casinomarktes für mehrere Konzessionsnehmer. Klassische Lotterien bleiben davon jedoch ausgenommen und werden in vielen europäischen Staaten weiterhin über exklusive nationale Konzessionen organisiert. Die Zahl der zugelassenen Anbieter bleibt in vielen Ländern dennoch begrenzt, da Konzessionen häufig kontingentiert sind und Bewerber umfangreiche Anforderungen an Spielerschutz, Geldwäscheprävention und finanzielle Leistungsfähigkeit erfüllen müssen. Auch hierzu lassen sich bei Casino Groups Details und Hintergründe erfahren.
Die Herangehensweisen unterscheiden sich: Deutschland etwa verfolgt ein föderales Modell. Die 16 Landeslotteriegesellschaften arbeiten im Deutschen Lotto- und Totoblock zusammen und bieten ihre Produkte unter gemeinsamen Standards an. Online-Casinolizenzen werden dagegen auf Grundlage des Glücksspielstaatsvertrags gesondert vergeben. Auch die Schweiz setzt auf ein geschlossenes System. Dort teilen sich Swisslos sowie die Loterie Romande den Markt nach Sprachregionen. Wettbewerb zwischen mehreren Lotteriebetreibern innerhalb derselben Region besteht nicht.
Frankreich verfügt mit FDJ United über einen der größten Lotterieanbieter Europas. Das Unternehmen betreibt die französische Nationallotterie und hat seine internationale Präsenz in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Im Vereinigten Königreich wiederum sorgte die Vergabe der National Lottery an Allwyn für Aufmerksamkeit. Erstmals seit fast drei Jahrzehnten wechselte dort der Betreiber nach einem Ausschreibungsverfahren.
Diese Beispiele zeigen, dass exklusive Lotteriekonzessionen in Europa weiterhin den Regelfall darstellen. Ausschreibungen dieser Größenordnung finden vergleichsweise selten statt und stoßen deshalb auch außerhalb des jeweiligen Landes auf großes Interesse.
Obwohl Österreich gemessen an der Einwohnerzahl zu den kleineren Märkten Europas zählt, gilt die Lotteriekonzession als wirtschaftlich attraktiv. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Geschäft gehören bekannte Produkte wie Lotto 6 aus 45, EuroMillionen und Joker ebenso wie die digitale Plattform win2day, die bislang als einziger legaler Anbieter von Online-Casinospielen in Österreich auftritt.
Hinzu kommt ein dichtes Netz an Annahmestellen in Trafiken sowie ein hoher Bekanntheitsgrad der Lotterieprodukte. Für internationale Betreiber bietet sich dadurch die Möglichkeit, ein bereits bestehendes Geschäft zu übernehmen, anstatt zunächst einen Markt aufbauen zu müssen.
Ein weiterer Aspekt ist die Seltenheit solcher Verfahren. Viele nationale Lotteriekonzessionen laufen noch über Jahre oder befinden sich in langfristigen Vertragsverhältnissen. Entsprechend wenige Ausschreibungen kommen überhaupt auf den Markt. Österreich gehört damit zu den wenigen Staaten, in denen internationale Unternehmen kurzfristig eine realistische Chance auf eine nationale Lotteriekonzession erhalten könnten.
Als naheliegendster Bewerber gelten die Österreichischen Lotterien. Das Unternehmen hält die bestehende Konzession seit Jahrzehnten, betreibt neben den klassischen Lotterieprodukten auch win2day und verfügt über ein landesweites Vertriebsnetz aus Trafiken und Annahmestellen. Diese Marktkenntnis verschafft dem bisherigen Konzessionsinhaber gute Ausgangsbedingungen.
Öffentlich Interesse signalisiert hat inzwischen auch FDJ United. Das französische Unternehmen betreibt die nationale Lotterie in Frankreich und ist nach einer Übernahme auch für die irische National Lottery verantwortlich. Nach Angaben des Unternehmens bietet Österreich weiteres Wachstumspotenzial, unter anderem aufgrund der vergleichsweise hohen Beteiligung an Lotteriespielen.
Ebenfalls als möglicher Bewerber gilt Brightstar Lottery, früher IGT Lottery. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Lotterietechnologie und unterstützt zahlreiche staatliche Lotteriegesellschaften mit technischen Plattformen. Medienberichten zufolge bereitet sich Brightstar bereits seit Längerem auf eine mögliche Ausschreibung in Österreich vor.
In Branchenkreisen wird zudem Allwyn als potenzieller Interessent genannt. Der Betreiber der britischen National Lottery verfügt über Erfahrung mit nationalen Lotteriekonzessionen, hat für Österreich bislang jedoch keine offizielle Interessensbekundung abgegeben. Welche Unternehmen tatsächlich am Vergabeverfahren teilnehmen, wird sich erst nach Beginn der Ausschreibung zeigen.
In den kommenden Monaten richtet sich der Blick zunächst auf das Gesetzgebungsverfahren. Nach Abschluss der Begutachtung müssen die endgültigen gesetzlichen Grundlagen beschlossen werden. Erst danach kann die Ausschreibung der Lotteriekonzession beginnen. Anschließend folgt die Bewerbungsphase, bevor die zuständigen Stellen die eingereichten Konzepte prüfen und bewerten.
Mit der Entscheidung dürfte sich zeigen, ob Österreich an seinem bisherigen Konzessionsinhaber festhält oder erstmals einen internationalen Betreiber auswählt. Unabhängig vom Ausgang markiert das Verfahren einen der größten Umbrüche im österreichischen Glücksspielmarkt seit vielen Jahren.