Der 50. Bachmann-Preis und 100 Jahre Ingeborg Bachmann prägen das Kulturjahr in Klagenfurt
Am Sonntag, 28. Juni, ging im ORF-Theater des Landesstudios Kärnten der 50. Ingeborg-Bachmann-Preis an die deutsche Autorin Lena Schätte. Sie las den Text „Was wir tragen". Der Bewerb fiel heuer mit dem 100. Geburtstag der Klagenfurter Dichterin zusammen, nach der er benannt ist. Übertragen wurde er an fünf Tagen live in Fernsehen und Netz.
3sat zeigte die Lesungen, die Jurydebatten und die Preisverleihung in voller Länge, insgesamt 18 ProgrammStunden. Die Eröffnung lief heuer zum ersten Mal live im Fernsehen, gestrafft auf 75 Minuten. Durch die Sendungen führten Peter Fässlacher und Cécile Schortmann. Für den Gemeinschaftssender von ZDF, ORF, SRG und ARD sei das Wettlesen der größte Live-Programmpunkt des Jahres, sagte 3sat-Koordinatorin Ursula Schirlbauer im Mai. Die Eröffnungsrede, die 27. Klagenfurter Rede zur Literatur, hielt Helga Schubert. 1980 war sie schon einmal eingeladen, durfte damals aber nicht aus der DDR ausreisen
Wer nicht einschalten konnte, fand die Beiträge als Livestream und danach als Abrufvideo auf bachmannpreis.ORF.at. Deutschlandradio übertrug den ganzen Bewerb im Radio, den Publikumspreis vergab das Publikum online. Für viele ist Streaming in Österreich inzwischen Alltag, und laut einer Statista-Auswertung kamen die drei größten Anbieter Ende 2025 zusammen auf 76 Prozent des Marktes. Im Lendhafen lief täglich von 10 bis 15 Uhr ein Public Viewing, dazu die Debatte in den sozialen Netzen unter dem Hashtag #tddl.
Den Wettbewerb gibt es seit 1977. Der Schriftsteller Humbert Fink und Ernst Willner, damals Intendant des ORF-Landesstudios Kärnten, gründeten ihn nach dem Vorbild der Gruppe 47. In der ersten Jury saß Marcel Reich-Ranicki. Man wolle der Öffentlichkeit zur Literatur und der Literatur zur Öffentlichkeit verhelfen, sagte er damals. Der erste Preis ging an den 31-jährigen Klagenfurter Gert Jonke. Später prägten Kritikerinnen wie Sigrid Löffler, von 1991 bis 2009 in der Jury, die oft hitzigen Debatten.
Anfangs zeigte das Fernsehen nur Ausschnitte, seit 1989 überträgt 3sat alles in voller Länge, 2025 zum 37. Mal. Aus der regionalen Veranstaltung wurde ein Fixpunkt des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Über die Nähe zum Fernsehen und den Wunsch nach einem sendetauglichen Format gab es dabei immer wieder Streit mit jenen, denen der Wettbewerb zu sehr Show wurde.
Die Live-Übertragungen des Bachmann-Preises zeigen, wie selbstverständlich gestreamte Veranstaltungen heute zum Medienalltag gehören. Wer eine Lesung nicht live verfolgen konnte, griff später auf die Mediathek zurück oder verfolgte die Diskussionen online. Dasselbe Nutzungsverhalten findet sich auch in anderen Bereichen der digitalen Unterhaltung wieder, in denen Echtzeit und Interaktion eine zentrale Rolle spielen.
Wer sich neben Kultur allgemein für Live-Streaming-Angebote interessiert, findet im Netz eine Liste hochwertiger Casinos, die auch Livespiele inklusive Stream bieten. Solche Übersichten vergleichen unter anderem Spielauswahl, Streaming-Qualität, Lizenzierung und verfügbare Live-Tischspiele.
Traditionelle Kultur greift diese Formate ebenso auf und schlägt dabei eine gesunde Balance zwischen Moderne und traditionellen Werten.
An drei Lesetagen trugen zehn Autorinnen und vier Autoren je rund 20 Minuten unveröffentlichte Prosa vor. Die 14 Namen kamen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Ungarn. Nach jeder Lesung diskutierte die siebenköpfige Jury mindestens ebenso lang. Vorsitzender war Klaus Kastberger, der sich heuer aus der Jury verabschiedete. Lena Schätte, 1993 in Lüdenscheid geboren und jahrelang Psychiatriekrankenschwester, las auf Einladung von Juror Thomas Strässle. „Wir finden zueinander, weil wir die dicksten Mädchen der Schule sind", beginnt ihr Text „Was wir tragen" über zwei Freundinnen, die sich als Außenseiterinnen durch die Schule schlagen. Neben dem Hauptpreis über 30.000 Euro holte sie den Publikumspreis und das damit verbundene Festivalschreiber-Stipendium des Carinthischen Sommers.
Drei weitere Auszeichnungen gingen an andere Namen der Auswahl:
Sechs Preise mit zusammen 75.000 Euro wurden vergeben, alle zum Jubiläum erhöht. Die Jury stimmte einmütig ab, heuer über Tablets im Studio.
Klagenfurt hat 2026 zum Bachmann-Jahr erklärt. Auf Antrag von Kulturreferent Franz Petritz stellte der Stadtsenat 50.000 Euro bereit, um Theaterproduktionen, Vertonungen und Projekte der freien Szene zu fördern. Am 25. Juni, dem 100. Geburtstag, gab es beim Geburtshaus in der Henselstraße ein Fest, bei dem eine Skulptur von Anselm Kiefer enthüllt wurde. Das Ingeborg-Bachmann-Haus feierte zugleich sein erstes Jahr als Literaturmuseum. Schon im März hatte das Stadttheater die Oper „Der Prinz von Homburg" gezeigt, zu der Bachmann das Libretto verfasst hatte.
Der Anlass trifft auf eine touristisch starke Phase. Für das Sommerhalbjahr 2025 meldete der Tourismusverband Klagenfurt am Wörthersee 363.014 Übernachtungen, das beste Ergebnis der Stadt bisher, und zählt das Bachmann-Jahr selbst zu seinen Schwerpunkten. Ob ein Jubiläum solche Zahlen bewegt, lässt sich noch nicht sagen. Zum Programm gehört auch der Themenweg „Dorf der Dichter" in Maria Saal.
Die Videos aller Lesungen und Debatten bleiben on demand auf bachmannpreis.ORF.at abrufbar. Zum Jubiläum zeigte der ORF außerdem die Dokumentation „Un-zumutbar?!" über 50 Jahre Wettlesen. Das Bachmann-Jahr geht bis in den Herbst weiter. Am 15. November bringt das Stadttheater Klagenfurt einen Konzertabend mit vertonten Bachmann-Gedichten, mitgestaltet vom Chor des Ingeborg-Bachmann-Gymnasiums.