Pressemeldungen September 2026
Team der Universität Klagenfurt gewinnt europäischen Drohnen-Wettbewerb
Das Team HERMES der Forschungsgruppe Control of Networked Systems (CNS) an der Universität Klagenfurt hat sich beim 14-monatigen Innovationswettbewerb „Fully Autonomous Flight 2.0“ der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND gegen sechs weitere Finalisten aus Europa durchgesetzt. Das Finale fand von 24. bis 27. August 2026 am Fliegerhorst Erding in Bayern statt.
Gesucht wurde ein Flugsystem, das ohne Unterstützung durch Satellitennavigation wie GPS oder Galileo und ohne menschliches Eingreifen sicher operieren kann. Im Juli 2025 waren 14 Teams aus Forschung und Industrie gestartet. Sieben qualifizierten sich im Jänner 2026 für die zweite Stufe, die mit bis zu 350.000 Euro pro Team gefördert wurde. Das Gesamtbudget des Wettbewerbs lag bei mehr als fünf Millionen Euro.
Beim Finale kannten die Teams das Einsatzgebiet vorher nicht. Sie erhielten 30 Minuten Vorbereitungszeit und anschließend 60 Minuten für die jeweilige Mission. Die konkrete Aufgabe wurde erst zu Beginn dieser Stunde per Chat bekannt gegeben.
Bei „Last-Mile Delivery“ musste unter anderem Haus Nummer 14 zwischen sechs baugleichen Wohnhäusern gefunden und neben einem blauen Fahrrad gelandet werden. Falsche Hausnummern und andersfarbige Fahrräder sollten für Verwirrung sorgen. Bei einer weiteren Aufgabe musste eine aus einem Fenster von Haus 15 winkende Frau gefunden werden. Zusätzlich erzeugter Rauch störte die Sensoren.
Bei „Search and Rescue“ galt es, in einem unbekannten Gebiet mit Gebäuden und dichtem Baumbestand eine am Boden liegende Person mit rotem T-Shirt zu finden und neben ihr zu landen. In der letzten Aufgabe musste die Drohne einer Person anhand eines äußeren Merkmals zehn Minuten folgen. Die Person ging zunächst, begann anschließend zu laufen, stieg auf ein Fahrrad und verbarg sich schließlich unter einem Regenschirm.
Besonders bei der Verfolgungsaufgabe überzeugte HERMES. Die Drohne blieb minutenlang an der Zielperson und wich dabei Bäumen, Gebäuden und anderen Hindernissen aus.
Die Klagenfurter Drohne gehörte zu den kleinsten im Teilnehmerfeld und arbeitete mit einer Inertialmesseinheit, einem rotierenden 360-Grad-LiDAR und zwei nach vorne gerichteten Kameras. Die Software trifft die notwendigen Entscheidungen direkt an Bord.
Als einziges Team ließ HERMES zudem zwei Drohnen gleichzeitig fliegen. Sie kommunizierten miteinander, teilten Aufgaben und Gebiete untereinander auf und wichen sich bei Begegnungen in der Luft aus. Probleme bereitete allerdings Regen, da das Forschungssystem nicht dagegen geschützt war und das Team beim Wetterumschwung in Erding improvisieren musste.
„Wir haben uns früh entschieden, nicht mehr Sensoren anzuschrauben, sondern die Drohne wirklich intelligenter zu machen. Dass ein so schlankes System mit den großen Plattformen mithalten und in der schwierigsten Aufgabe sogar davonziehen konnte, zeigt, dass Autonomie eine Software-Frage ist“, erklärt Luca Di Pierno, der die intelligente Autonomie entworfen und die Kern- und Navigationssoftware federführend mitentwickelt hat.
Das Projekt wurde von Luca Di Pierno, Yannick Morel und Forschungsgruppenleiter Stephan Weiss begleitet. Einen großen Teil der Arbeit übernahmen die sechs Bachelorstudenten Jakob Schmidinger, Malte Loos, Klemens Wibmer, Nikita Smolianinov, Emils Džarcans und Oleksandr Muzychenko.
Die Forschungsgruppe am Institut für Intelligente Systemtechnologien beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit autonomen Fluggeräten. Bereits 2025 gewann das Team einen Wettbewerb im internationalen Search-and-Rescue-Projekt in Huntsville in den USA. Eine wissenschaftliche Publikation zum aktuellen System ist in Vorbereitung.
„Dieser Sieg ist das Ergebnis jahrelanger Grundlagenforschung an robuster Zustandsschätzung und Navigation ohne GPS, und er zeigt, dass diese Forschung reif für die reale Welt ist“, erklärt Stephan Weiss.
Das Team arbeitet nun an einer Finanzierung für die noch fehlenden Bausteine und strebt möglichst zeitnah eine Ausgründung an. Als mögliche Einsatzgebiete werden die autonome Lieferung von Notfallmedikamenten und Paketen sowie die Suche nach vermissten Personen genannt.
SPRIND mit Sitz in Leipzig fördert im Auftrag der deutschen Bundesregierung neue Technologien. Der Jury von „Fully Autonomous Flight 2.0“ gehörten Hugo Jammes, Peter Chudý, Sheila Beladinejad, Patrick Rose, Jörg Dittrich und Roberto Calandra an.
Foto: SPRIND/Felix Adler