Pressemeldungen September 2026
66 Prozent der Kärntner KMU blicken optimistisch in die Zukunft
Kärntens Klein- und Mittelunternehmen blicken trotz Konjunkturflaute, geopolitischer Unsicherheiten und steigender Kosten mehrheitlich zuversichtlich auf die kommenden Jahre. Das zeigt die aktuelle KMU-Studie 2026 von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen.
Demnach sehen 66 Prozent der befragten KMU in Kärnten den kommenden zwei bis drei Jahren optimistisch entgegen. Die Zuversicht bleibt damit gegenüber 2024 weitgehend stabil. Im Detail sind 18 Prozent „sehr optimistisch“ und 48 Prozent „eher optimistisch“. 19 Prozent blicken eher pessimistisch, 15 Prozent sehr pessimistisch auf die Entwicklung ihres eigenen Unternehmens. Der Optimismus ist seit 2024 minimal gestiegen und liegt laut Studie erstmals leicht über dem Österreichschnitt.
„Die vergangenen Jahre haben Unternehmen enorm gefordert. Umso bemerkenswerter ist es, dass zwei Drittel der heimischen KMU weiterhin optimistisch bleiben. Kärntens Unternehmerinnen und Unternehmer vertrauen auf ihre Innovationskraft, ihre Anpassungsfähigkeit und die Stärke ihrer Betriebe. Der Unternehmergeist ist stärker als die Krisenstimmung“, sagt Mag. Siegfried Huber, Vorstandssprecher der Kärntner Sparkasse AG.
Der Optimismus für den eigenen Betrieb bedeutet allerdings nicht, dass die Unternehmen das wirtschaftliche Umfeld positiv beurteilen. 47 Prozent der Kärntner KMU geben an, dass ihr Marktumfeld in den vergangenen zwei bis drei Jahren schwieriger geworden ist. 44 Prozent sehen eine vergleichbare Situation, neun Prozent empfinden die Bedingungen als einfacher. 2024 hatten noch 55 Prozent von schwierigeren Bedingungen gesprochen.
Mehr als 80 Prozent der Kärntner Betriebe rechnen damit, in den kommenden Jahren von steigenden Lohnkosten, zusätzlichen regulatorischen Anforderungen, höheren Energiepreisen sowie wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten betroffen zu sein. Rund sieben von zehn sehen den Arbeitskräftemangel als Herausforderung.
Deutlich kritischer fällt der Blick auf den Wirtschaftsstandort Österreich aus. 57 Prozent der Kärntner KMU halten die Rahmenbedingungen für Unternehmen hierzulande im Vergleich zu anderen EU-Ländern für schlechter. 31 Prozent bewerten sie als etwa gleich, sieben Prozent sehen Österreich im Vorteil.
Auch beim Thema Regulierung fällt das Urteil deutlich aus: 73 Prozent der befragten Kärntner Betriebe halten das Ausmaß staatlicher Regulierungen und Vorschriften in Österreich für zu stark ausgeprägt. Für 19 Prozent ist es gerade richtig, acht Prozent halten es für nicht ausreichend.
„Die Unternehmen glauben an ihre Betriebe, sehen aber deutlichen Verbesserungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und weniger Bürokratie sind entscheidende Voraussetzungen, damit Unternehmen investieren und wachsen können. Das liegt im Interesse des gesamten Wirtschaftsstandorts“, sagt Vorstandssprecher Mag. Siegried Huber von der Kärntner Sparkasse AG.
92 Prozent der Befragten in Kärnten sind der Ansicht, dass österreichische Unternehmen von geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Veränderungen betroffen sind. 57 Prozent sehen starke Auswirkungen, weitere 35 Prozent gewisse Auswirkungen.
61 Prozent der Kärntner Betriebe rechnen mit Auswirkungen durch steigende Kosten infolge handelspolitischer Unsicherheiten. 55 Prozent sehen Veränderungen globaler Lieferketten auf sich zukommen, 45 Prozent nennen die Abhängigkeit von Importen oder Exporten in geopolitisch sensible Regionen und 44 Prozent die Auswirkungen der US-Handelspolitik. Gleichzeitig sehen 40 Prozent Chancen durch die wachsende Bedeutung von Investitionen in Forschung und Entwicklung, 31 Prozent durch die Erschließung neuer Absatzmärkte außerhalb Europas.
Bei den Zukunftschancen steht die Digitalisierung und Automatisierung weit vorne. 63 Prozent der Kärntner KMU sehen darin eine große Chance für österreichische Unternehmen in den nächsten zwei bis drei Jahren. 60 Prozent nennen Forschung und technologische Weiterentwicklung, 55 Prozent die Qualifikation und Verfügbarkeit von Fachkräften. Rund die Hälfte sieht auch in der Nachhaltigkeit große Chancen. 38 Prozent nennen die Erschließung neuer Märkte und 37 Prozent die Anpassung und Neuordnung von Lieferketten.
Auch Künstliche Intelligenz spielt in den Unternehmen zunehmend eine Rolle. 36 Prozent der Kärntner KMU halten KI für ihren eigenen Betrieb bereits für wichtig. 28 Prozent bewerten sie als eher nicht so wichtig, für weitere 36 Prozent ist sie unwichtig.
Beim konkreten Einsatz liegt Marketing und Werbung mit 52 Prozent vorne. 33 Prozent setzen KI bei der Kommunikation mit Kunden, Lieferanten oder Partnern ein, 32 Prozent bei Administration und internen Prozessen sowie 24 Prozent in der Produktion beziehungsweise bei der Durchführung von Dienstleistungen.
Trotz des schwierigen Umfelds planen 58 Prozent der Kärntner KMU in den kommenden zwei bis drei Jahren Investitionen. Bei 14 Prozent der Unternehmen sind diese Pläne laut Studie noch eher vage.
Für die Finanzierung von Investitionen kommen für 59 Prozent der Kärntner KMU grundsätzlich Eigenmittel infrage. 34 Prozent würden einen Kredit ohne Förderung in Betracht ziehen, 29 Prozent einen geförderten Kredit. Leasing ist für 32 Prozent eine Möglichkeit, eine Eigenkapitalerhöhung für 22 Prozent.
Beim Wissen über Fördermöglichkeiten sehen sich 62 Prozent der Kärntner Unternehmen gut aufgestellt. Sie bezeichnen ihre Kenntnisse über Investitionsförderungen von Land, Bund oder EU als „sehr gut“ oder „einigermaßen“. 35 Prozent kennen sich damit nach eigener Einschätzung weniger gut oder gar nicht aus.
Erste Bank und Sparkassen stellen mit der sogenannten Wachstumsmilliarde insgesamt eine Milliarde Euro an Finanzierungen bereit. Damit sollen Unternehmen bei Investitionen in Innovation, Digitalisierung und Wachstum unterstützt werden.
„Es mangelt den Unternehmen nicht an Ideen oder Investitionsbereitschaft. Wer investieren will, braucht aber Planungssicherheit und die passenden Finanzierungsmöglichkeiten. Genau hier setzen wir mit der Wachstumsmilliarde an“, sagt Siegfried Huber.
Bei der Frage nach Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschafts- und Wettbewerbsstandorts Österreich nennen 32 Prozent der Kärntner Befragten spontan Bürokratieabbau und Deregulierung. 15 Prozent sprechen sich für allgemeine Steuersenkungen aus, 14 Prozent nennen eine Reduktion der Lohnnebenkosten, neun Prozent die Energiekosten und sieben Prozent eine Reduktion der Personalkosten.
Auch bei der Frage, was mehr Zuversicht für das eigene Unternehmen und den Standort Österreich schaffen würde, gehören Bürokratieabbau und Steuersenkungen zu den drängendsten genannten Themen.
Für die KMU-Studie 2026 beauftragten Erste Bank und Sparkassen das Marktforschungsinstitut IMAS International. Die telefonische Befragung wurde zwischen 24. Februar und 27. März 2026 durchgeführt.
Österreichweit wurden 900 Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen zwei und 50 Millionen Euro befragt. Pro Bundesland wurden 100 Interviews durchgeführt, wodurch eine getrennte Auswertung für Kärnten möglich ist. Befragt wurden in erster Linie Geschäftsführer, daneben kaufmännische Direktoren und Finanzchefs. Für die österreichweite Betrachtung wurden die Bundesländer entsprechend gewichtet. Regionale Quoten nach Industrie und Jahresumsatz sollten die Struktur der KMU abbilden.
Foto: Daniel Waschnig