Pressemeldungen Oktober 2026
Neue Studie widerlegt Mythos von Hitler als erfolgreichem Autobahnbauer
Das Buch „Autobahnbau in Österreich unter NS-Herrschaft. Konzeption – Inszenierung – (Zwangs)arbeit – Folgen“ wurde am Montag, 5. Oktober, bei der ASFINAG in Wien präsentiert.
Auf Initiative der ASFINAG untersuchte die Österreichische Gesellschaft für Zeitgeschichte unter der Leitung von Bertrand Perz den Autobahnbau in Österreich zwischen 1935 und 1950.
Autobahnen gab es bereits vor der NS-Zeit in Italien, den USA und der deutschen Weimarer Republik. Auch in Österreich bestanden vor dem „Anschluss“ 1938 Konzepte für Schnellstraßen. Der Bau begann allerdings erst unter NS-Herrschaft mit dem propagandistisch inszenierten Spatenstich Adolf Hitlers am Walserberg bei Salzburg am 7. April 1938.
Für den Autobahnbau waren vier Oberste Bauleitungen in München, Linz, Wien und Villach zuständig. Hohe Priorität hatten die Strecken Salzburg–Wien und Salzburg–Klagenfurt. Bis Anfang 1942 wurden rund 370 Millionen Reichsmark investiert.
Entgegen der NS-Propaganda war der Autobahnbau von Beginn an von Arbeitskräftemangel geprägt. Nach Kriegsbeginn wurden tausende ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene zwangsweise eingesetzt. Ende 1940 arbeiteten bis zu 6.000 Kriegsgefangene beim Autobahnbau.
Auch in Kärnten wurden Lager der Reichsautobahn von der Gestapo als sogenannte „Arbeitserziehungslager“ betrieben. Als „asozial“ stigmatisierte Menschen wurden zum Autobahnbau herangezogen. Insgesamt entstanden entlang der Autobahntrassen mehr als 130 Arbeitslager.
Anfang 1942 wurde der Autobahnbau kriegsbedingt eingestellt. Bis dahin waren lediglich 17 Kilometer Autobahn rund um Salzburg fertiggestellt. In Kärnten wurde der Wolfsbergtunnel später für die unterirdische Flugzeugproduktion genutzt.
Ab 1954 nahm die Zweite Republik den Autobahnbau wieder auf und konnte dabei auf zahlreiche bereits begonnene Trassen, Brücken und Tunnel zurückgreifen. Wesentliche Teile des heutigen österreichischen Autobahnnetzes basieren daher auf Planungen und Baumaßnahmen aus der NS-Zeit.