Wer im Kreisverkehr unterwegs ist, sollte beim Ausfahren den Blinker setzen. In der Praxis passiert das jedoch häufig nicht. Das zeigt eine Beobachtungsstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), bei der zwischen Ende September und Mitte November 2025 österreichweit rund 18.500 Verkehrsteilnehmer beobachtet wurden.
Demnach blinken 33 Prozent der Autofahrer beim Verlassen eines Kreisverkehrs falsch oder verzichten ganz darauf. An herkömmlichen Kreuzungen liegt der Anteil der Verkehrsteilnehmer, die nicht oder falsch blinken, bei 19 Prozent.
Laut KFV hält sich außerdem ein weit verbreitetes Missverständnis: Geblinkt wird beim Verlassen des Kreisverkehrs und nicht beim Einfahren.
„Geblinkt werden muss beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr und nicht beim Einfahren. Das Blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs ist auch deshalb so wichtig, weil es den Verkehrsfluss deutlich verbessert. Durch das Blinken können jene Fahrzeuge, die auf das Einfahren in den Kreisverkehr warten, viel besser einschätzen, ob sie losfahren können oder nicht. Durch korrektes Verhalten vermeidet man insbesondere an heißen Sommertagen aber auch ein Erhitzen der Gemüter“, erklärt Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV.
Besonders häufig wird laut Studie auf das Blinken verzichtet, wenn Fahrer während der Fahrt abgelenkt sind. Wer beim Autofahren isst, trinkt oder raucht, blinkt in 48 Prozent der beobachteten Fälle im Kreisverkehr nicht. Bei Personen, die ohne Freisprecheinrichtung telefonieren oder am Handy tippen, steigt dieser Anteil sogar auf 52 Prozent.
„Unachtsamkeit und Ablenkung sind nach Vorrangverletzungen und Rotlichtmissachtungen die zweithäufigsten Hauptunfallursachen bei Unfällen an Kreuzungen und Kreisverkehren. Daher raten wir dringend davon ab, während des Lenkens eines Fahrzeugs ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren, Social-Media-Aktivitäten durchzuführen, Textnachrichten zu schreiben, zu lesen oder ähnliche ablenkende Tätigkeiten zu verrichten“, so Robatsch.
Besonders auffällig ist das Verhalten bei Fahrrad- und E-Scooter-Fahrern. Laut KFV verzichten 70 Prozent beim Verlassen eines Kreisverkehrs auf das vorgeschriebene Handzeichen beziehungsweise das Blinken. Bei Motorrad- und Mopedfahrern liegt dieser Anteil bei 40 Prozent, bei Lkw bei 24 Prozent und bei Bussen bei 21 Prozent.
Gleichzeitig zeigt die Unfallstatistik, dass mehr als ein Viertel aller Verletzten bei Unfällen in Kreisverkehren mit einem Fahrrad oder E-Scooter unterwegs war.
Nach Angaben des KFV verunglücken auf Österreichs Kreisverkehrsanlagen jährlich rund 1.000 Menschen. Im Vergleich zu herkömmlichen Kreuzungen passieren dort zwar deutlich weniger Unfälle mit Personenschaden, dennoch können korrektes Blinken und aufmerksames Verhalten dazu beitragen, den Verkehrsfluss zu verbessern und Unfälle zu vermeiden.
Foto: Mein Klagenfurt