Das Gespräch war offenbar alles andere als gemütlich. Nach der angekündigten Erhöhung der Stromnetzgebühren in Kärnten um 9,6 Prozent ab Jänner 2027 hatte Landeshauptmann Daniel Fellner die Führung von Kelag und Kärnten Netz (KNG) in die Landesregierung bestellt. Am Mittwoch traf er sich mit Kelag-Vorstand Reinhard Draxler und KNG-Geschäftsführerin Eva Tatschl. Das Ergebnis: Die Diskussion ist noch lange nicht beendet.
„Dass nach unserem Austausch sprichwörtlich ‚Frieden, Freude, Eierkuchen‘ herrschen würde, kann ich nicht behaupten. Wir haben ein durchaus intensives, aber faires Gespräch geführt“, berichtet Fellner.
Für den Landeshauptmann steht fest, dass die angekündigte Erhöhung den Kärntnern weder erklärbar noch zumutbar sei. Die Bevölkerung habe ein Recht darauf, zu erfahren, wie die hohen Netzgebühren zustande kommen.
Beim Gespräch wurden Fellner Zahlen, Daten und Erklärungen zu den geplanten Netztarifen vorgelegt. Zufrieden gibt er sich damit allerdings nicht.
„Das ist aber zu wenig. Ich habe ein konkretes Maßnahmenpaket eingefordert, mit dem es Kärnten schafft, den Netztarif zu senken und in den nächsten Jahren von der unrühmlichen Spitzenposition ins Mittelfeld zu kommen“, informiert der Landeshauptmann.
Fellner verlangt damit nicht nur eine Erklärung für die höheren Gebühren, sondern konkrete Vorschläge, wie die Kosten für die Kärntner Bevölkerung gesenkt werden können. Eine Lösung wurde beim ersten Treffen nicht gefunden. Weitere Gespräche mit Kelag und Kärnten Netz sollen deshalb ehestmöglich stattfinden.
Besonders kritisch sieht Fellner die ungleiche Verteilung der Netzgebühren in Österreich. Kärnten leiste mit seinen Pumpspeicherkraftwerken einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung mit erneuerbarer Energie und sei bei der Pro-Kopf-Produktion von grünem Strom österreichweit führend.
„Und trotzdem tragen die Menschen vor Ort seit Jahren die höchsten Netzgebühren des Landes. Das ist paradox. Wer einen so massiven Beitrag zur Energiewende leistet, darf nicht durch eine zusätzliche Preiskluft bestraft werden“, stellt der Landeshauptmann klar.
Für Fellner ist deshalb auch die Bundesregierung gefordert. Er verlangt einen bundesweit einheitlichen Netztarif, damit einzelne Bundesländer nicht dauerhaft durch besonders hohe Netzgebühren benachteiligt werden.
Der Landeshauptmann kündigt an, alle Kärntner Abgeordneten zum Nationalrat und Bundesrat zu einem Gespräch einzuladen. Gemeinsam soll auf eine österreichweite Lösung gedrängt werden. Parallel dazu wird ein weiteres Treffen mit Kelag und Kärnten Netz vorbereitet. Fellner macht deutlich, dass er sich mit Erklärungen allein nicht zufriedengeben will.
Ob die geplante Erhöhung um 9,6 Prozent noch reduziert werden kann, ist derzeit offen. Ein konkretes Maßnahmenpaket liegt nach dem ersten Gespräch noch nicht vor.
Foto: Mein Klagenfurt/Montage