Kärntens Schweinebauern stehen wirtschaftlich massiv unter Druck. In den vergangenen Wochen sind die Marktpreise für Schweinefleisch deutlich eingebrochen und liegen derzeit bei nur noch 1,35 Euro pro Kilogramm. Gleichzeitig belasten hohe Kosten für Treibstoff, Dünge- und Futtermittel sowie die diesjährige Dürre die Betriebe.
Als wesentlichen Grund für den Preisverfall nennt die Landwirtschaftskammer Kärnten große Mengen an billigem Schweinefleisch aus Ländern wie Spanien und Dänemark. Spanien kann aufgrund der Afrikanischen Schweinepest derzeit kein Schweinefleisch nach China exportieren. Dadurch gelangen zusätzliche Mengen auf den europäischen Markt.
LK-Präsident Siegfried Huber sieht die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe bedroht. „Die wirtschaftliche Situation vieler Ferkelhalter und Schweinemäster ist angespannt und hat sich in den vergangenen Monaten noch dramatisch weiter verschlechtert. Gibt es für die Betriebe keine Perspektive, ist die Versorgungssicherheit mit heimischem Qualitätsschweinefleisch in Gefahr. Und das in einer Zeit, in der der Fähigkeit eines Landes zur Selbstversorgung immer höhere Bedeutung zukommt.“
Zusätzlich stehen die Bauern vor notwendigen Investitionen, um künftig höhere gesetzliche Standards erfüllen zu können.
„Aufgrund der künftig geltenden höheren gesetzlichen Standards sind seitens der Betriebe umfassende Investitionen zu tätigen. Dies ist mit den aktuellen Marktpreisen für die Betriebe nicht zu stemmen, da diese das Geld dafür nicht verdienen können“, erklärt Huber.
Auch Martin Egger, Obmann des Verbandes der Kärntner Schweinebauern (VKS), kritisiert die Entwicklung und erhebt Vorwürfe gegen die fleischverarbeitende Industrie und den Lebensmittelhandel. „Seit Jahresbeginn haben Österreichs fleischverarbeitende Betriebe rund 40 Prozent des heimischen Schweinefleisches durch ausländische Billigware, die zu deutlich niedrigeren Tierwohlstandards erzeugt wird, ersetzt. Dieser stille und heimliche Austausch bleibt den Konsumentinnen und Konsumenten aber verborgen, da vielfach nach wie vor mit Symbolen und Begriffen, die eine österreichische Herkunft des Fleisches suggerieren, geworben wird.“
Die Landwirtschaftskammer Kärnten sieht heimische Familienbetriebe gegenüber großen ausländischen Agrarunternehmen benachteiligt und kritisiert unterschiedliche Produktionsbedingungen innerhalb der EU.
Siegfried Huber und Martin Egger appellieren an den Lebensmittelhandel, stärker auf Schweinefleisch aus österreichischer Produktion zu setzen und auf billige Importe zu verzichten.
Zusätzlich fordern sie einen sogenannten Österreich-Bonus für heimische Schweinebauern. Damit sollen die Betriebe trotz niedriger Marktpreise eine wirtschaftliche Perspektive erhalten und die heimische Schweinefleischproduktion langfristig gesichert werden.
Foto: Symbolbild