Ein kurzer Blick aufs Handy, eine Nachricht lesen oder schnell telefonieren: Was für viele Autofahrer harmlos erscheint, kann im Straßenverkehr gefährliche Folgen haben. Allein in Kärnten wurden im Jahr 2025 insgesamt 7.264 Lenker mit dem Handy am Steuer erwischt. Die Dunkelziffer dürfte laut Mobilitätsorganisation VCÖ deutlich höher liegen.
Der VCÖ fordert deshalb den Einsatz sogenannter Handyblitzer, die automatisch erkennen können, ob Autofahrer während der Fahrt ihr Smartphone benutzen.
Wie gefährlich Unachtsamkeit im Straßenverkehr ist, zeigen die Unfallzahlen. Laut einer VCÖ-Auswertung auf Basis von Daten der Statistik Austria war Ablenkung im Jahr 2025 die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen mit Personenschaden in Kärnten. Rund 30 Prozent dieser Unfälle wurden durch Ablenkung und Unachtsamkeit verursacht. Dabei wurden 1.009 Menschen verletzt, zwölf Menschen kamen ums Leben.
„Ablenkung war in Kärnten im Vorjahr die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Rund 30 Prozent der Verkehrsunfälle wurden dadurch verursacht“, berichtet VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Dabei ist nicht jeder dieser Unfälle auf Handynutzung zurückzuführen. Ablenkung kann unterschiedliche Ursachen haben.
Besonders gefährlich wird es, wenn Autofahrer während der Fahrt Nachrichten lesen. Untersuchungen zufolge sind sie dabei rund zwei Sekunden praktisch im Blindflug unterwegs. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h legt ein Auto in dieser Zeit fast 30 Meter zurück, ohne dass der Fahrer seine volle Aufmerksamkeit auf die Straße richtet. Auch das Telefonieren mit dem Handy am Ohr beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit erheblich. Laut VCÖ reagieren solche Lenker ähnlich schlecht wie Autofahrer mit 0,8 Promille Alkohol im Blut.
„Bei vielen fehlt leider nach wie vor das Bewusstsein, wie gefährlich das Telefonieren oder gar das Lesen von Nachrichten während des Fahrzeuglenkens ist“, stellt Schenk fest.
In Deutschland werden Handyblitzer im Bundesland Rheinland-Pfalz bereits seit April 2025 eingesetzt. Nun ist geplant, ihren Einsatz bundesweit zu ermöglichen. Die speziellen Kameras erkennen automatisch, ob ein Smartphone während der Fahrt verwendet wird. Verdächtige Aufnahmen werden anschließend von Polizisten überprüft, bevor ein Verstoß festgestellt wird. Der VCÖ möchte diese Technik auch in Österreich einsetzen. Dafür müsste die Straßenverkehrsordnung entsprechend geändert werden.
„Das ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vergehen. Umso wichtiger ist es, der Exekutive die Kontrollen zu erleichtern und die rechtlichen Grundlagen dafür zu schaffen, dass sogenannte Handyblitzer auch in Österreich eingesetzt werden können“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Weniger Handyverstöße in Kärnten geahndet
Die Zahl der geahndeten Handyverstöße ist in Kärnten zuletzt zurückgegangen. Während 2024 noch 7.820 Lenker erwischt wurden, waren es 2025 insgesamt 7.264. Im Jahr 2015 wurden sogar 9.329 Verstöße registriert.
Österreichweit erwischte die Polizei im vergangenen Jahr 112.317 Lenker mit dem Handy am Steuer.
Der VCÖ warnt allerdings davor, aus den rückläufigen Zahlen auf eine entsprechende Verbesserung der Verkehrssicherheit zu schließen. Die erfassten Verstöße würden nur einen Teil der tatsächlichen Handynutzung am Steuer abbilden.
Foto: KI-generiert