Frauen verdienen in Kärnten noch immer deutlich weniger als Männer. Darauf macht die Arbeiterkammer Kärnten aufmerksam. Der 3. November 2026 wird als „Equal Pay Day“ bezeichnet. Er zeigt, dass Männer statistisch gesehen bereits so viel verdient haben, wie Frauen erst am Ende des Jahres erreichen.
Der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt in Kärnten 16,2 Prozent. Das entspricht laut Arbeiterkammer rund 10.685 Euro im Jahr. Besonders groß ist der Unterschied im Bezirk Spittal an der Drau mit 24,7 Prozent. In Klagenfurt-Stadt liegt er bei 10,9 Prozent.
Die finanziellen Nachteile begleiten viele Frauen bis in die Pension. Niedrigere Einkommen, häufigere Teilzeitarbeit und längere Unterbrechungen im Berufsleben führen laut Arbeiterkammer dazu, dass Frauen um bis zu 40 Prozent weniger Pension erhalten.
„Die Lohnlücke entsteht nicht erst in der Pension, sondern Tag für Tag am Arbeitsmarkt. Sie ist das Ergebnis von undurchsichtigen Entlohnungssystemen, geringer Verhandlungsmacht und struktureller Benachteiligung von Frauen. Genau hier setzt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie an – sie schafft Verhältnismäßigkeit, indem sie Gehälter transparenter und die Unterschiede öffentlich macht“, erklärt Michaela Eigner-Pichler, Referatsleiterin für Beruf, Familie und Gleichstellung.
Die EU hat eine Richtlinie beschlossen, die für mehr Transparenz bei Gehältern sorgen soll. Österreich hätte diese bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen. Laut Arbeiterkammer liegt der entsprechende Gesetzesentwurf allerdings seit Monaten auf Eis. Die Arbeiterkammer kritisiert diese Verzögerung. Die neue Regelung soll dazu beitragen, Unterschiede bei der Bezahlung sichtbar zu machen und damit den Weg für gerechtere Einkommen zu schaffen.
Ein weiteres Problem sieht die Arbeiterkammer bei älteren Frauen. Während das gesetzliche Pensionsalter schrittweise angehoben wird, verschlechtern sich für viele die Chancen auf einen Arbeitsplatz. Nach aktuellen Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) ist die Arbeitslosigkeit bei Frauen zwischen 60 und 65 Jahren in Kärnten im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 42,8 Prozent auf 182 Personen gestiegen.
Bereits im August lag die Zahl arbeitsloser Frauen dieser Altersgruppe um 30 Prozent über dem Vorjahreswert, im September betrug der Anstieg rund 37 Prozent. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit nahm deutlich zu. Im September waren um 34 Prozent mehr Frauen zwischen 60 und 65 Jahren seit über einem Jahr arbeitslos als im Vorjahresmonat.
„Wer länger im Erwerbsleben bleiben soll, braucht auch die Möglichkeit, tatsächlich beschäftigt zu bleiben. Gerade bei älteren Frauen zeigt sich aber, dass zusätzliche Jahre im Erwerbsleben nicht automatisch zusätzliche Chancen bedeuten“, erklärt AK-Wirtschaftsexperte Jürgen Kopeinig.
AK-Präsident Günther Goach sieht dringenden Handlungsbedarf. Frauen sollen nicht länger arbeiten müssen, ohne realistische Chancen auf einen Arbeitsplatz zu haben.
„Die steigende Arbeitslosigkeit älterer Frauen ist ein deutliches Warnsignal. Kärnten braucht eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die Frauen über 60 nicht am Rand stehen lässt, sondern ihre Erfahrung und ihr Potenzial gezielt nutzt und absichert. Wir dürfen nicht zulassen, dass Frauen die letzten Jahre vor der Pension zuerst mit Einkommensnachteilen und anschließend mit Arbeitslosigkeit bezahlen“, so Goach.
Die Arbeiterkammer verlangt damit nicht nur mehr Lohngerechtigkeit, sondern auch konkrete Verbesserungen für ältere Frauen am Arbeitsmarkt. Wer länger arbeiten muss, soll auch die Möglichkeit haben, bis zur Pension beschäftigt zu bleiben.
Foto: AK Kärnten/Helge Bauer