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Der Störenfried

Josef Winkler, der Ernst Toller vom Wörthersee. Foto: Mein Klagenfurt/Archiv

Josef Winkler, der Ernst Toller vom Wörthersee

Von Karsten Krampitz, Stadtschreiber a.D.

Dachau ist eine von vielen Partnerstädten Klagenfurts. Und der Bürgermeister von Dachau soll am Dienstag nicht schlecht gestaunt haben, beim feierlichen Staatsakt: Einen Schriftsteller wie den Winkler, den wünsche er sich für daheim in Bayern. Was für ein Auftritt! Der Büchner-Preisträger Josef Winkler hat mit seiner Rede die FPÖ aus dem Saal getrieben… – Einen solchen Schriftsteller hat es in Dachau schon mal gegeben, vor nicht ganz hundert Jahren. Sein Name: Ernst Toller.

Der lange Zeit meistgespielte deutschsprachige Theaterautor hat das kleine Städtchen Dachau von den Rechten befreit – als Befehlshaber der „Roten Armee“. In den Wochen der Münchner Räterepublik war das. Ernst Toller hat damals viel Ärger bekommen, wegen Befehlsverweigerung: Statt die gefangenen Freikorpsoffiziere erschießen zu lassen, so die Anweisung aus München, schickte Toller die Gefangenen allesamt nach Hause. „Mögen die Gesetze des Bürgerkriegs noch so brutal sein“, erklärte er seinen Leuten, „wir kämpfen für eine gerechtere Welt, wir fordern Menschlichkeit, wir müssen menschlich sein.“ Und wann, wenn nicht jetzt? Das waren Zeiten, als die Poeten noch gefährlich waren, weil sie den Anspruch hatten, in das Leben der Menschen hineinzuwirken. 

Der Ernst Toller vom Wörthersee, der Befreier von Klagenfurt, heißt Josef Winkler. Dieser revolutionäre Dichter hat am Dienstag zwar keine Armee befehligt, dennoch empfanden nicht wenige Menschen vor Ort seine Festrede als Geiselnahme. Winkler erinnerte daran, dass vor gut zehn Jahren der Landeshauptmann Jörg Haider vom rechten Weg abkam. Seine Urne möge man in eine bewachte Gefängniszelle verlegen, „denn es könnte ja sein, dass er wie ein Phönix aus seiner Asche steigt und wieder sein Unwesen treibt…“

Für mindestens zwanzig Minuten brachte Josef W. den Wappensaal des Landhauses unter seine Kontrolle. Im Publikum: die Spitzen der Kärntner Landespolitik, der Klagenfurter Stadtsenat, die Bürgermeisterin und eine Bundesministerin! Ebenso zugegen waren Diözesanbischof Alois Schwarz wie auch der religiöse Führer der Kärntner Protestanten, Superintendent Manfred Sauer. Hauptforderung seiner Geiselnahme: Klagenfurt soll bitte schön endlich eine Stadtbibliothek einrichten! Nun ja. Glücklich die Stadt, die keine anderen Probleme kennt. Offenbar ist für Bildungsbürger wie Prof. Dr. Winkler ein Besuch in der Bibliothek der Arbeiterkammer, nahe dem Hauptbahnhof, eine Zumutung. – Alles in allem aber war es am Dienstag eine gelungene Aktion. Eine 500-Jahr-Feier zu sprengen, schafft man eben nur einmal in 500 Jahren. Und ein Josef Winkler hat sich von seiner besten Seite gezeigt: Als ökologisch nachhaltiger Dichter wirft er eine einmal erzählte Geschichte nicht achtlos weg, sondern verwendet sie wieder und wieder. Sei es seine Freude an den Schmökern von Karl May, seine Kritik am Wörtherseestadion oder auch das gern bemühte Achternbusch-Aperçu, dass ihn dieses Land kaputt gemacht habe und er solange bleiben werde, bis man es diesem Land ansehe.  

Was noch geschah: Wie ehedem Ernst Toller hat auch ein Josef Winkler seine Gefangenen laufen lassen. Das ehrt ihn! Und wie in Dachau anno 1919 so heuer in Klagenfurt: die Freigelassenen gingen nicht heim, sondern nahmen auf der Stelle den Kampf wieder auf. So auch Altbürgermeister Christian Scheider (FPÖ), der sich umgehend via Facebook meldete: „500 Jahr Feier der Stadt Klagenfurt durch unwürdige Jörg Haider Beschimpfung entehrt! Gäste verließen den Wappensaal fluchtartig mit Entsetzen im Gesicht!!“ Für FPÖ-Klubobmann Gernot Darmann ist Josef Winkler „ein von der SPÖ getragener moderner Hassprediger“. Zum Glück sind alle am Leben geblieben und bei bester Gesundheit; auch die singenden Kinder, die laut Scheider, fast eine Stunde in der Hitze im Landhaushof warten mussten.

Die Freiheitlichen werden Winkler verklagen, Strafanzeige nach Paragraf 283 Strafgesetzbuch wegen Verhetzung. Ernst Toller bekam seinerzeit fünf Jahre Festungshaft aufgebrummt, soweit werden die hiesigen Richter nicht gehen – und wenn doch, so wird Josef Winkler bestimmt, wie vor ihm die verurteilten FPÖ-Politiker, mit einer Fußfessel davonkommen. Und Klagenfurt wird in seiner Geschichte ganz sicher einen anderen Weg gehen als Dachau. Ernst Toller hat während der Revolution einmal gesagt: „Die Bayern sind keine Russen.“ Und die Kärntner sind keine Bayern.


Karsten Krampitz

Aktuell hat Karsten Krampitz, gemeinsam mit dem Stadttheater Klagenfurt, das im Drava Verlag erschienene Buch „Drei Wege zum See oder Eine andere Stadt“ veröffentlicht.

Karsten Krampitz, Jg. 1969, ist Schriftsteller und Historiker. 2009 gewann er mit einem Auszug aus der Novelle Heimgehen den Publikumspreis des Bachmannwettbewerbs und wurde im Jahr darauf Klagenfurter Stadtschreiber. Gemeinsam mit Peter Wawerzinek veröffentlichte er 2012 den Crashkurs Klagenfurt. Poesie und Propaganda. 2014 führte das Klagenfurter Ensemble sein Theaterexperiment Sucht und Ordnung auf. Im vergangenen Jahr erschien im Alibri-Verlag Aschaffenburg seine kritische Überblicksdarstellung Jedermann sei untertan. Deutscher Protestantismus im 20. Jahrhundert. Irrwege und Umwege.

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