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1,5 Millionen ermordete Kinder klagen an

1,5 Millionen ermordete Kinder klagen an

Anlässlich des Internationalen Gedenktages für die Opfer des Holocaust am 27. Jänner möchten wir, das Team von „Mein Klagenfurt“, unsere tägliche Berichterstattung kurz unterbrechen und ein paar Zeilen dazu veröffentlichen.

In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel gibt es einen dunklen Saal, in dem ständig fünf Kerzen brennen. Der Saal ist komplett verspiegelt und reflektiert den Kerzenschein in Form unzähliger kleiner Lichter. Die Lichter stehen für die 1,5 Millionen jüdischen Kinder, die im Holocaust ermordet wurden. Im Saal läuft ein Tonband, das die Namen dieser Kinder verliest. Es dauert drei Monate, bis alle Namen verlesen sind und das Band von vorne beginnt.

Die Kinder kamen als erste dran. Kinder, die als zu jung oder zu kränklich eingestuft wurden, um sie zur Sklavenarbeit einzusetzen, wurden sofort ermordet. Oft zusammen mit ihren Müttern, manchmal ganz alleine gingen sie ins Gas oder wurden totgeschossen. Die Züge kamen in den Lagern an, Ärzte der SS begutachteten die Gefangenen und schickten die einen nach rechts und die andren nach links. Kinder unter zehn Jahren wurden fast immer sofort zu den Gaskammern geschickt. Manche kamen auch in spezielle Baracken, wo die Nazi-Ärzte Experimente an ihnen durchführten. Menschenversuche an Kindern in einem Unrechtsstaat, der strenge Tierschutzgesetze eingeführt hatte.

Nicht alleine sechs Millionen Juden und ihre Kinder wurden ermordet, auch eine halbe Million Sinti und Roma sowie hunderttausende „arische“ Menschen, denen Ärzte und Psychiater den „Lebenswert“ abgesprochen hatten. Sie haben kleine Kinder, manche von ihnen behindert, andere nur ein bisschen zu lebendig oder auffällig oder auch nur ein bisschen langsam, Ärzten vorgeführt und diese Ärzte haben sie dann totgespritzt oder vergast. „Unwertes Leben“ stempelten sie in ihre Bücher, bevor sie die Kinder ermordeten.

Insgesamt wurden um die zwei Millionen Kinder von den Nationalsozialisten umgebracht. Kaltblütig, planmäßig, gnadenlos. Und wir sprechen hier nur von denen, die der Mordmaschinerie direkt zum Opfer fielen und noch gar nicht von jenen, die in den von der Wehrmacht belagerten russischen Städten verhungerten, die im englischen Coventry im Bombenhagel starben, die überall, wo der von Deutschland begonnene Weltkrieg tobte, auch in Deutschlands eigenen Städten, umkamen. Rechnen wir diese Kriegstoten dazu, kommen wir auf rund 15 Millionen Kinder, deren Leben endete, bevor es richtig beginnen konnte.

Was immer man über den Holocaust schreibt, es kann sich dem Schrecken bestenfalls annähern, aber ihn nie richtig fassen. Noch mehr als 70 Jahre später fragen wir uns, wie das geschehen konnte, wie man die Verbrecher gewähren lassen konnte. Seit 1945 ringen Historiker und Intellektuelle um Worte, wenn sie beschreiben sollen, was da geschehen war. Am besten trifft es wohl der Begriff „Zvilisationsbruch“. Nie zuvor in der gesamten Menschheitsgeschichte hatte es Grausamkeiten von diesem Ausmaß und dieser absoluten Bösartigkeit gegeben. Alles, was die Religionen und später die Aufklärung den Menschen beibrachten, die einfachsten moralischen Grundregeln und die simpelsten Vorgaben für ein menschliches Verhalten, wurde über Bord geworfen von einem Volk im Rassenwahn. Wer sich als Österreicher oder Deutscher mit den Verbrechen der Nazis befasst, muss den Alliierten bis heute dankbar sein, dass sie, anders als die Nazis, Menschen nicht kollektiv bestraften, sondern einzelne Täter für einzelne Taten, denn hätten die Siegermächte an unsere Vorfahren dieselben Maßstäbe angesetzt wie die Nazis an ihre Opfer, würde niemand von uns am Leben sein, weil man das, was von 1933 bis 1945 Deutschland war, einfach von der Weltkarte radiert hätte, mitsamt der Bevölkerung.

Wenn wir am 27. Jänner den Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust begehen, dann geht es nicht um „unsere“ Schuld. Niemand, der nach dem Krieg geboren wurde oder während der Nazizeit ein kleines Kind war, trägt Schuld. Es geht um die Erinnerung an die Verbrechen, damit sich so etwas nie mehr wiederholen kann. Es geht auch nicht um eine „deutsche“ oder „österreichische“ Schuld, denn schuldig machte sich damals die ganze Welt. Sie sah den Verbrechen zu und schloss ihre Tore vor denen, die um ihr Leben rannten. Kaum jemand bewegte auch nur einen Finger für die Juden, die Roma und Sinti, die Homosexuellen, die Kranken und Behinderten und alle anderen Opfer des Terrors. Erst als Hitler Angriffskriege führte, schoss man zurück. Der Holocaust wurde von Deutschen und Österreichern und ihren Helfern in den besetzten Ländern verübt, aber die Welt schaute diesen Verbrechen viel zu lange zu.

Was aber ist die Lehre aus all dem? Was sagen uns sechs Millionen zu Asche verbrannte jüdische Leben? 500.000 ermordete Roma und Sinti? Was kann man sagen, wenn man an all die Kinder denkt, die nie ihr Leben führen durften, weil es ihnen im Namen des „Führers“ genommen wurde?

Es gibt nur eines, was dazu zu sagen ist, nämlich: „Nie wieder!“ Und damit es nie wieder geschehen kann, müssen wir verstehen, wie es damals soweit kommen konnte. Wir müssen begreifen, dass es nicht mit Gaskammern und Todeslagern anfing, sondern mit Hasspropaganda gegen die „Anderen“, gegen Menschen, die eine andere Religion hatten, andere Bräuche, andere Gedanken. Man hat ein „Wir“ konstruiert, von dem man dann andere abspalten und ausschließen konnte. Das „deutsche Volk“ gegen die, die man aus diesem Volk ausklammerte. In unseren Tagen sind gefährliche Echos dieser Art zu denken zu vernehmen. „Wir zuerst“, „Amerika zuerst“, „Deutschland zuerst“, „Österreich zuerst“, „Kärnten zuerst“ – dieser neue Egoismus und dieses Herstellen von „Wir-Gruppen“ gegen „Feind-Gruppen“ ist der Anfang, dem zu wehren uns die Opfer des Holocaust mahnen. Das ist der Anfang vom „Wir gegen Die“, und wenn erst einmal ein „Wir“ gegen ein „Die“ steht, dann ist der Krieg nicht mehr weit. Oder sogar der Völkermord. Nach dem Ende der Naziherrschaft hat die Welt versucht, Lehren aus den ungeheuerlichen Verbrechen zu ziehen. Die Vereinten Nationen verabschiedeten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Das wichtigste dieser Menschenrechte ist das Recht auf Leben für jeden einzelnen Bewohner dieses Planeten ungeachtet seiner Herkunft, seiner Religion oder anderer Merkmale. In Europa baute man die Europäische Union auf, die durch eine wirtschaftliche Verquickung der Nationen verhindern sollte, dass jemals wieder Krieg geführt würde um Grenzen und Gebiete. Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union schreiben unveräußerliche Rechte für jeden einzelnen Bürger fest und schützen ihn, wenigstens theoretisch, vor Unterdrückung und Ermordung. Ein großer Fortschritt, der jetzt durch den neuen Nationalismus in Gefahr ist.

Aber neben all den komplizierten Verträgen und Vereinbarungen gilt: Wenn sie wieder Konzentrationslager bauen, dann muss man diese Lager in die Luft sprengen, ganz egal, ob das „legal“ ist oder nicht, denn wer solche Lager baut, verletzt ein höheres Recht als das von Richtern und Geschworenen, nämlich das Recht aller Menschen, das Menschenrecht. Der Holocaust wurde nicht verübt, weil die Nazis so stark oder auch nur in der Mehrheit gewesen wären, sondern weil die anständigen Menschen wegschauten oder aus Angst schwiegen. Das ist eine weitere wichtige Lektion aus der Geschichte: Wir lassen uns nicht von fanatischen Minderheiten bedrohen. Ob das jetzt islamische Terroristen sind, österreichische Neonazis oder einfach nur Kriminelle – die alle müssen wissen, dass wir uns wehren, dass wir wehrhaft sind und uns unsere Freiheit und unsere Art zu leben nicht rauben lassen. Gegen Leute, die die Demokratie abschaffen wollen oder andere umbringen wollen, einfach nur weil die nicht so sind wie sie, hat man ein Recht auf Notwehr. Und alle Demokraten, ob links oder rechts, haben die Pflicht, sich denen entgegenzustellen, die den nächsten Zivilisationsbruch planen. Jetzt, da die letzten Zeitzeugen sterben, ist es unsere Aufgabe, die Verbrechen und das Leid der Opfer erst recht nicht zu vergessen.

Das Team von „Mein Klagenfurt“

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