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5 Jahre HCB-Görtschitztal: Aus der Krise zur Chance

5 Jahre HCB-Görtschitztal: Aus der Krise zur Chance. Foto: Mein Klagenfurt/Archiv

Fünf Jahre nach Bekanntwerden der HCB-Umweltproblematik im Görtschitztal hat sich Lage weitgehend beruhigt - Abteilungen ziehen Resümee über Aufarbeitung der Causa

Klagenfurt (LPD). Am 26. November 2019 ist es fünf Jahre her, dass die HCB-Umweltkrise das Görtschitztal erschütterte. Heute, Freitag, zogen die zuständigen Fachabteilungen bzw. deren Abteilungsvorstände ein Resümee über die Aufarbeitung der Causa in den letzten fünf Jahren und berichteten über aktuelle Monitoring-Ergebnisse. Einhelliger Tenor aller Dienststellen: „Im Nachhinein und mit der gegebenen zeitlichen Distanz betrachtet, war die Aufarbeitung der HCB-Causa eine der zeitintensivsten aber auch kommunikativsten im Amt der Kärntner Landesregierung.“

Um eine rasche Aufklärung der Umweltkrise zu gewährleisten, wurde bereits am 28. November 2014 der Leiter der Abteilung 7 (Wirtschaft, Tourismus, Infrastruktur und Mobilität), Albert Kreiner, zum Landeskoordinator bestellt. Sein Auftrag war es Maßnahmen und Grundlagen für die Erforschung der Ursachen der HCB-Belastung im Görtschitztal sowie die Veranlassung der erforderlichen Schutzmaßnahmen und die geeignete Information der Bevölkerung vorzunehmen. „Die Zeit der Unsicherheiten bis zur Feststellung des tatsächlichen Sachverhaltes, insbesondere, ob es nicht auch andere Emmissionsquellen geben könnte, war die schwierigste. Es war evident, dass nur mit einer raschen Intensivierung einer abteilungs- und behördenübergreifenden Kooperation die Sachlage geklärt werden konnte, um so die Ursachen der HCB-Belastung restlos und rasch aufzuklären und einer weiteren Beunruhigung der Bevölkerung entgegen zu wirken“, erklärte Kreiner.

Positiv wird von Kreiner hervorgehoben, dass alle vorgeschlagenen und gesetzten Maßnahmen im Sinne der Bevölkerung und der Umwelt gewirkt haben und nachhaltig weiterwirken und dass man trotz des massiven, öffentlichen Drucks sachorientierte Lösungen gefunden habe. „Die größte Herausforderung waren die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Vorgaben, die von der Verwaltung aufgrund des Legalitätsprinzips einzuhalten sind, die sich aber nicht mit dem Anspruch und den Erwartungen vieler Anrainer und Bewohnern des Görtschitztals decken. Beispielsweise haben Mitverbrennungsanlagen teilweise niedrigere Grenzwerte als Abfallverbrennungsanlagen einzuhalten oder dürfen EMAS zertifizierte Betriebe nur unter bestimmten Vorgaben von Behörden geprüft werden. Das sind legistische Herausforderungen, mit denen sich die Behörden tagtäglich befasst haben und auf die der Bundesgesetzgeber im Zuge der HCB Causa hingewiesen wurde“, betonte Kreiner.

Günther Wurzer, Leiter der Gesundheitsabteilung des Landes (Abteilung 5), resümiert, dass eine professionelle Krisenkommunikation insbesondere in der Anfangsphase ein wesentlicher Faktor zur Vermeidung einer rasanten fatalen Eskalation und Eigendynamik ist. In der HCB-Causa habe diese anfangs leider gefehlt. „HCB hat den internen Kommunikationsfluss unter den einzelnen Fachabteilungen verbessert und zu einem informativen und vernetzten Denken und Handeln geführt“, ist Wurzer überzeugt. Die größte Herausforderung für die Sanitätsdirektion war es, so rasch wie möglich mit der Unterstützung der Medizinischen Universität Wien, insbesondere mit Professor Michael Kundi, die gesundheitlichen Auswirkungen von HCB bei gegebener Höhe und Dauer der Belastung auf die Görtschitztaler Bevölkerung einschätzen zu können“, so Wurzer.

Dem pflichtet auch Harald Tschabuschnig, Leiter der Umweltabteilung (Abteilung 8), zu. „Die größte Herausforderung für uns war die Einordnung und in weiterer Folge die Kommunikation der HCB-Situation im Görtschitztal und deren Auswirkung auf die Menschen und die Umwelt“, erklärte er.

Stark gefordert war auch die Agrarabteilung (Abteilung 10). Beim Futtermittelgipfel im Jänner 2015 wurde entschieden, das gesamte HCB-belastete Futter auszutauschen und den Tieren frisches Ersatzfutter bereitzustellen. „In den darauffolgenden vier Monaten wurden unter Koordinierung und Aufsicht der Landwirtschaftsabteilung auf 137 Bauernhöfen mehr als 7.000 Tonnen Futtermittel bzw. rund 12.000 Futtermittelballen ausgetauscht. Mit der Bereitstellung von frischem Ersatzfutter wurde die Grundlage für die Produktion von sauberen Fleisch- und Milchprodukten geschaffen“, berichtete deren Leiter Gerhard Hoffer. Von den Kontrollorganen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes der Agrarabteilung wurden im Umfeld des Wietersdorfer Zementwerks sowie der Altlast-Deponie K 20 in Brückl in den vergangenen fünf Jahren mehr als 2.200 Futtermittelproben gezogen. „Allein im Zeitraum November 2014 bis Februar 2015 wurden flächendeckend in den Gemeinden Brückl, Klein St. Paul, Eberstein, Hüttenberg, Guttaring und Kappel insgesamt 1.843 Futtermittelproben auf 380 landwirtschaftlichen Betrieben genommen und zur Analyse an die jeweiligen Labors weitergeleitet“, so Hoffer.

Bezüglich der aktuellen Monitoringergebnisse im Jahr 2019 - alle Untersuchungsergebnisse von 2014 bis heute sind auf der Homepage des Landes (http://www.ktn.gv.at/302524_DE-HCB-Messberichte) zu finden – zeigt sich, dass die HCB-Werte unauffällig sind. Überprüft wurden seitens der Lebensmittelaufsicht, Veterinärdirektion und ILV Kärnten selbst hergestellte Fleisch- und Wurstwaren, Schaffleisch, sowie Milch und Milchprodukte der Ab-Hof-Verkäufer. Ebenso Lebensmittel im Umfeld der Deponie in Brückl, wo auch Schwermetalle analysiert wurden, weiters Holunder und Brombeeren sowie Speisepilze. Von den Wildbeeren werden heuer noch Hagebutte untersucht. Auch die Untersuchung der Rohmilch von milchliefernden Betrieben wird noch durchgeführt.

In allen Frischgrasproben und bei den Vorernteuntersuchungen wurde ebenfalls kein nur annähernd grenzwertüberschreitender Wert festgestellt. Demnach darf das Futtermittel in Verkehr gebracht und an Nutztiere verfüttert werden. Zudem werden weiterhin Untersuchungen und Monitorings in den Bereichen Luft, Grundwasser, Oberflächenwasser und Boden durchgeführt. Auch bei der seit Herbst 2018 gesicherten Deponie K 20 in Brückl zeigt das ständige Abpumpen von Wasser erste positive Auswirkungen auf die Qualität des Grundwassers und der Gurk.

Wieder angekurbelt konnte auch die wirtschaftliche Lage des Tales werden. Mittels des Masterplan Görtschitztal 2015 + bzw. Görtschitztalfonds, der von der Landesregierung mit 1,5 Millionen Euro und mit Co-Finanzierungen finanziell gespeist wird. 29 Projekte wurden in den Gemeinden des Tales mittlerweile umgesetzt, bei einem Fördervolumen von knapp 950.000 Euro. Der Fördertopf wurde noch einmal mit rund 700.000 Euro aufgestockt, das Geld stammt aus dem Vergleich, den das Land mit Wietersdorfer abgeschlossen hat.

Realisiert werden regionale Konzepte, überprüft nach den „Görtschitztalkriterien“. Dies betrifft insbesondere Projekte aus den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt, aber auch Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Bildung, Tourismus und Kultur. Speziell der Breitbandausbau und die Digitalisierung werden vorangetrieben. Unter die großen Projekte fallen unter anderem etwa das Umwelt- und Biomonitoring Görtschitztal, eine Tourismusoffensive, in der Infrastruktur ausgebaut und das Marketing verstärkt wird, der Bau des Holz-Kultur(n)-Saal in Guttaring, der Ausbau der Infrastruktur des Schigebiets Steinerhütte/Eberstein und die Errichtung von vier Norischen Genusshütten.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden der HCB-Umweltproblematik im Görtschitztal hat sich die Situation weitestgehend beruhigt. Die Monitorings von Lebensmitteln, Tiernahrung, Luft, Boden und Wasser und die stabilen Untersuchungswerte tragen zur Beruhigung des Tales bei. Sämtliche Probenergebnisse zeigen, dass die getroffenen Maßnahmen in die richtige Richtung gehen. Die wirtschaftliche Lage wird mittels Görtschitztalfonds angekurbelt. Mit dem Vergleich zwischen Wietersdorfer und dem Land bzw. den Privatklägern mit Wietersdorfer sind auch die Schadensersatzforderungen abgegolten. Das Land erhielt eine Entschädigung von 2,5 und die zivilen Kläger von 6,3 Millionen Euro.

Foto: Mein Klagenfurt/Archiv

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