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Kärntens Land- und Forstwirtschaft macht sich fit für 2030

Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler. Foto: LK Kärnten

Zukunftsprozess für mehr Wertschöpfung und mehr Wertschätzung gestartet!

Kärntens Land- und Forstwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Ein Zukunftsprozess unter Einbindung aller Bäuerinnen und Bauern soll Perspektiven aufzeigen und dazu beitragen, die bäuerliche Land- und Forstwirtschaft zu stärken.

Ob COVID-Krise, Klimawandel, steigender Wettbewerbsdruck oder die Erwartungen der Gesellschaft an die Bäuerinnen und Bauern – die Herausforderungen für die Kärntner Land- und Forstwirtschaft sind groß. Die Landwirtschaftskammer hat daher den umfassendsten Zukunftsprozess ihrer Geschichte ins Leben gerufen, um die bäuerlichen Betriebe für die zukünftigen Herausforderungen zu wappnen. Ziele sind die Erarbeitung eines gemeinsam getragenen Zukunftsbildes und Perspektiven für die zukünftige Ausrichtung der Land- und Forstwirtschaft in Kärnten. Und das unter Einbindung aller Bäuerinnen und Bauern, zukünftigen Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern, den Verbänden sowie Expertinnen und Experten des Agrar- und Forstsektors.

Kraftvoller Auftakt
Der Startschuss zum Zukunftsprozess fiel gestern, am 19. Jänner in einer digitalen Veranstaltung, an der mehr als 500 Bäuerinnen und Bauern via ZOOM oder Facebook teilgenommen haben. In seinen Grußworten stellte Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler klar: „Wenn wir auch morgen noch eine starke Land- und Forstwirtschaft in Kärnten haben wollen, müssen wir heute die Weichen dafür stellen. Unser Ziel ist mehr Wertschöpfung für die Betriebe. Der Weg dorthin muss ein nachhaltig-bäuerlicher sein, eine agrarindustrielle Struktur hat in Kärnten keinen Platz!“ Mößler nennt dabei die Vielfalt der Betriebe als die zentrale Stärke der heimischen Landwirtschaft: „Ob Bergbauern, Talbauern, Biobauern, Acker- oder Rinderbauern, ob im Vollerwerb oder Nebenerwerb. Dieses Land braucht jeden einzelnen Bauern!“ Für Landesbäuerin Astrid Brunner ist die Sicherstellung der Hofübernahmen ein zentrales Ziel im Zukunftsprozess: „Unsere Kinder müssen auch morgen noch mit Freude Bäuerin und Bauer sein können!“ Ein weiterer Schwerpunkt stellt für sie der Dialog mit der Gesellschaft dar. „Wir müssen der Gesellschaft noch klarer die Vorteile unserer heimischen Landwirtschaft kommunizieren, die krisensicher und klimafreundlich produziert! Diese Wertschätzung ist die Grundlage für mehr Wertschöpfung!“, so Brunner.

Regionalität boomt
Dass sich die Kundinnen und Kunden dessen zunehmend bewusst werden, bestätigte Mag. Micaela Schantl, Leiterin der Marktforschung der Agrarmarkt Austria (AMA) in ihrem Impulsreferat: „Die Corona-Krise hat das Einkaufsverhalten stark beeinflusst. Es wird wieder mehr zu Hause gekocht und Lebensmittel bekommen einen anderen Stellenwert. Regionalität und Bio werden wichtiger in der Kaufentscheidung und das Qualitätsbewusstsein steigt.“ Aber auch auf die Entwicklung hin zu weniger Rind- und Schweinefleischkonsum, dafür aber mehr Nachfrage nach Geflügel, Eier und Gemüse gelte es zu reagieren.

Wer nichts weiß, muss alles essen
Auf das Thema „Dialog mit der Gesellschaft“ ging Hannes Royer, Gründer und Obmann des Vereins „Land schafft Leben“ in seinem Impulsreferat ein. Ihm zufolge gehe es künftig noch stärker um die Frage, wie sich Bäuerinnen und Bauern selbst positionieren und damit im öffentlichen Diskurs mittransportiert werden können. „Endkonsumenten kaufen nicht nur Lebensmittel, sondern gleichzeitig Werte und Überzeugungen. Aber welche Werte transportieren wir als Bauern und Bäuerinnen derzeit? Wofür wollen wir in Zukunft stehen? Wir müssen uns unserer Werte wieder bewusst werden und diese auch entsprechend kommunizieren, um Konsumenten und Konsumentinnen zu erreichen. Passive Produktion war gestern, die Zukunft müssen wir in unserem Sinne selbst mitgestalten“, betonte Royer.

Milch mit Zukunft
Als Bundesland mit hohem Anteil an Grünland kommt der Milchproduktion in Kärnten eine große Bedeutung zu. Die Obfrau der Kärntner Jungzüchter und zukünftige Hofnachfolgerin DI Edina Scherzer skizzierte in ihren Ausführungen die Zukunft der Milchproduktion aus der Sicht der Jungzüchter: „Auch in Zukunft werden wir es nicht schaffen, im Berggebiet zu Weltmarktpreisen Milch zu produzieren. Unsere Differenzierungsmerkmale wie beste Qualität, eine innige Mensch-Tier-Beziehung sowie die Landschaftspflege als Grundlage für den Tourismus müssen wir klar kommunizieren. Das darf und muss den Konsumenten auch etwas Wert sein!“ Scherzer stellte auch klar, dass der Jugend eine gute Work-Life-Balance am Hof wichtig ist. Neben arbeitsreichen Tagen in der Landwirtschaft braucht man zwischendurch ein wenig Abstand. „Dann ergeben sich neue Perspektiven und anschließend fällt vieles leichter“, so Scherzer.

Zukunftsumfrage gestartet
Herzstück im Zukunftsprozess ist eine im Rahmen der Auftaktveranstaltung präsentierte kärntenweite Umfrage unter allen Bäuerinnen und Bauern, in der sie ihre Meinung zur zukünftigen Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft einbringen können. Die in dieser Umfrage enthaltenen Kernthemen für die Zukunft wurden in Workshops von Expertinnen und Experten sowie Kammerrätinnen und Kammerräten aller in der LK-Vollversammlung vertretenen Fraktionen erarbeitet.

Im Anschluss an die Befragung startet die LK themenspezifische Workshops, in denen gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern gemäß dem Umfrageergebnis intensiv an Zukunftsperspektiven für 2030 gearbeitet werden wird. „Diese Einbindung ist wichtig. Diejenigen, die es betrifft, müssen mitreden können!“, betonen LK-Präsident Mößler und Landesbäuerin Astrid Brunner gemeinsam. Die Teilnahme an der Umfrage ist ab sofort auf www.ktn.lko.at bis Montag, 8. Februar möglich.  Der Zukunftsprozess soll bis vor dem Sommer 2021 abgeschlossen werden und strategische Leitlinien für die zukünftige Positionierung der heimischen Land- und Forstwirtschaft in Kärnten beinhalten.

Zahlen und Fakten zur Kärntner Land- und Forstwirtschaft (Quelle: IHS 2019)

  • 17.500 land- und forstwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften rund 87% der Landesfläche
  • Sie erwirtschaften dabei rund 1 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung.
  • Jeder 10. Arbeitsplatz im Land steht direkt oder indirekt im Zusammenhang mit der Land- und Forstwirtschaft
  • Kärntens Bäuerinnen und Bauern erbringen jährlich einen gesellschaftlichen Mehrwert von 24 Mio. Euro durch Landschaftspflege.

Foto: LK Kärnten

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