Jutta Schlesinger-Oppelmayer
Wie bin ich zur Glaskunst gekommen?
Wie das Leben oft spielt! Ich habe im Jahr 2004 meine große Liebe kennen gelernt und Hans hat es sehr genossen, dass ich es immer wieder schaffte ihn mit meinen selbst hergestellten kreativen Dingen (Glasmosaiken, Ton, etc., - es war kein Material vor mir sicher) zu überraschen. Zum Geburtstag im Jahre 2005 bekam ich von ihm einen Schnupperkurs für die alte Kunst des Perlendrehens geschenkt. An dieser Stelle möchte ich einige Sätze von Hans verwenden, die er nach meiner ersten Glasperlen-Ausstellung in mein digitales Gästebuch geschrieben hat:
„Im Dezember 2005 geschah etwas, was ihr bisheriges Leben veränderte. Sie infizierte sich.
Nicht etwa mit dem Grippevirus, wie sie vielleicht befürchten mögen. Nein, viel schlimmer. Mit dem Glasvirus!
Sie müssen sich dieses Virus so vorstellen: 38, 39, ja selbst 40 Grad sind nichts. Bei 1200 Grad beginn sich diese Krankheit erst so richtig auszubreiten. Es faucht, knistert und brodelt. Die Hände werden unruhig und wollen ständig etwas drehen. Der Blick ist auf einen Punkt fokussiert, der sich rot glühend vor den Augen bewegt. Bis zu einer Stunde kann dieser Zustand anhalten, bevor Besserung eintritt. Die Temperatur sinkt, und mit dem Erkalten verschwindet auch dieser rote Punkt. Doch dann setzt ungeduldiges Warten ein. Erst nach 2 oder 3 Stunden bessert sich dieser Ausnahmezustand und Entspannung macht sich breit. Dann, wenn eine wunderschöne bunte Glasperle das Licht der Welt erblickt. Wenn sie Jutta einmal bei ihrer Arbeit zugesehen haben, wissen sie, was ich meine!“
Was genau passiert, wenn ich in den kreativen Gestaltungsprozess eintauche?
Meine Lust auf das alte Kunsthandwerk des Glasperlendrehens ist bis heute nicht verblasst, weil der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt sind. Das heißt, ich entwerfe Glasperlen, stelle sie selbst an einer Flamme mit 1200 Grad her (Propangas und Sauerstoff) und mache daraus Schmuckstücke, die natürlich alle Unikate sind. Ob Halsschmuck, Ringe, Armbänder, Türknaufe, Knöpfe, etc., ich versuche immer wieder meine Palette zu erweitern. Ich arbeite hauptsächlich mit Murano- und Lauschaglas. Nach dem Anfertigen der Perlen werden diese in einem speziellen Ofen getempert (spezielles Verfahren, damit dem Glas eventuelle Spannungen entzogen werden). Das Herstellen der Perlen erfordert eine hohe Konzentration und ist für mich etwas sehr spirituelles. Beim Entstehen einer Glasperle ist der äußere als auch der innere Fokus ganz auf diese eine Handlung gerichtet und man schaltet ab und befindet sich in einer anderen Welt. Einer Welt die sich von unserer realen Welt enorm unterscheidet, denn es bleibt die Zeit förmlich stehen, bis die Perle abgedreht wird.
Schöpferisches Schaffen schafft die Zeit ab.
(Dr. phil. Manfred Hinrich)
Woher nehme ich meine kreative Energie?
Diese Frage ruft bei mir große Freude als auch großen Schmerz hervor.
Mein Lebenspartner Hans und ich haben 2008 im Mai geheiratet und unser Glück war einfach unbeschreiblich. „Fliegen“(Paragleiten) war die große Leidenschaft meines Mannes und wenn er nach Hause kam, war es für uns zu einem Ritual geworden, erzählte er mir von seinem Abenteuer und anschließend bewunderte er meine neu entstandenen Glasperlen. Leider war unser gemeinsames Glück nur von kurzer Dauer, denn nur vier Monate später ist Hans beim Paragleiten tödlich verunglückt. Der Schmerz über den Verlust meines Lebenspartners ist immer noch allgegenwärtig, aber im Gestaltungsprozess spüre ich nach wie vor die liebevolle Verbindung zu ihm. Das ist meine Energiequelle.
Kontakt:
Jutta Schlesinger-Oppelmayer
Tel: 0650 5323715
Email: jutta.oppelmayer(at)gmx.net
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